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Band XV (1998) Spalten 826-842 Autor: Martin Weiß

KRAUS, Karl, österr. Dichter und Satiriker. * 28.4. 1874 in Gitschin (Jicin, CZ), † 12.6. 1936 in Wien. K., der neben Georg Christoph Lichtenberg wohl bedeutendste deutschsprachige Satiriker, wurde durch seine Zeitschrift »Die Fackel« (1899-1936) bald zum Gewissen seiner Zeit. In zahlreichen Lesungen aus fremden und eigenen Schriften vermittelte er seinem Publikum »das Gefühl absoluter Verantwortlichkeit« (Elias Canetti). In seinem auch formal epochemachenden Drama »Die letzten Tage der Menschheit« (1919) rechnete er schonungslos mit den Verbrechen des Ersten Weltkrieges ab. Mit seinem leider immer noch viel zu wenig beachteten Text »Dritte Walpurgisnacht« (1934), einer in ihrer Weitsicht erschreckenden Analyse der ersten Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland, lieferte er ein einmaliges Zeitdokument. Seine Auffassung der Sprache hat auf Denker wie Ferdinand Ebner und Ludwig Wittgenstein nachträglich gewirkt. - K. kam 1874 als neuntes Kind jüdischer Eltern im böhmischen Gitschin zur Welt. Sein Vater, Jakob Kraus, Kaufmann und später Papierfabrikant, hatte dort die Arzttochter Ernestine Kantor geheiratet. - K.s Vater gelang es, innerhalb kurzer Zeit ein beträchtliches Vermögen anzuhäufen, das es der Familie 1877 ermöglichte, nach Wien zu übersiedeln. Hier besuchte K. von 1880 bis 1884 die Volksschule und von 1884 bis 1892 das »Franz-Josephs-Gymnasium«. 1891 starb die Mutter, ein Ereignis das den Siebzehnjährigen schwer erschütterte. - Neben schauspielerische Ambitionen trat in den letzten Schuljahren vor allem das Interesse für die deutsche Literatur und hier vor allem für den »Modernen Realismus«. Von 1892 bis 1899 schrieb er Artikel für verschiedene Zeitungen, u.a. für die »Gesellschaft« (Leipzig) und die »Neue Freie Presse« (Wien). Von 1908 bis 1910 verfaßte er Beiträge für den »März« und den »Simplicissimus«. Am 21.9.1892 hielt K. seine erste Lesung aus fremden Texten. Unter dem Titel »Im Reiche der Kothpoeten« - als »Kothpoeten« waren die Vertreter des »Modernen Realismus« vom Theaterkritiker Ludwig Speidel beschimpft worden - las er u.a. Texte von Arno Holz und Detlev von Liliencron, mit dem er seither in freundschaftlichen Beziehungen stand. - Auf Drängen des Vaters immatrikulierte sich K. im selben Jahr an der Juridischen Fakultät der Universität Wien, besuchte aber keine Vorlesungen, sondern hielt sich vor allem im Literatencafé »Griensteidl« auf, in dem sich die Exponenten der Dichtergruppe um den Schriftsteller und Kritiker Hermann Bahr trafen. Diesem stand K. schon bald kritisch gegenüber. Was er an Bahr kritisierte, war außer seiner extremen literarischen »Gewandtheit«, die in allen Stilen zu Hause war, vor allem dessen Doppelfunktion als Theaterkritiker und Theaterautor. Denn diese führte dazu, daß Bahr nur diejenigen Aufführungen positiv rezensierte, die an Theatern aufgeführt wurden, die auch seine Stücke brachten. Immer noch war K. unschlüssig, welcher Berufung - der des Schauspielers oder der des Dichters - er nachgeben sollte. Eine mißglückte Theateraufführung 1893 bildete den letzten Anstoß, sich ganz der Dichtung zu verschreiben. Gemeinsam mit Anton Lindner plante er die Herausgabe einer »Satirenanthologie«, die aber nie zustande kam. - 1894 wechselte er gegen den Willen des Vaters auf die Philosophische Fakultät, wo er philosophische und germanistische Vorlesungen hörte. Die Schließung des »Café Griensteidl« bildete den äußeren Anlaß für seine erste größere Satire, die 1896 in der »Wiener Rundschau« unter dem Titel »Die demolierte Literatur« erschien. Hatte Kraus bereits 1893 mit seinem Text »Die Überwindung des Hermann Bahr« den Bruch mit Bahr vollzogen, so rechnete er in der »Demolierten Literatur« mit der ganzen Clique der »Kaffeehausdekadenzmodernen« ab. Den modernen »Neutönern« warf K. Manieriertheit, Affektiertheit, falsches Pathos und provinzielles Cliquenwesen vor. 1893 hatte er in einem Brief an Arthur Schnitzler geschrieben: »Ich hasse und haßte diese falsche, erlogene "Decadence", die ewig mit sich selbst coquettiert, ich bekämpfe und werde immer bekämpfen: die posierte, krankhafte, onanierte Poesie!«. 1898 brach K. sein Studium ab und wurde Chronist der Zeitschrift »Wage«. Schon bald mußte er aber erkennen, daß das Dickicht aus Rücksichtnahmen und selbstauferlegter Zensur es verunmöglichte, die Wahrheit zu schreiben und die Mißstände beim Namen zu nennen. »Als Chroniqueur der Wage hatte ich allwöchentlich länger darüber nachdenken müssen, was ich schreiben dürfe, als alles das zu schreiben Zeit erfordert hätte, was ich nicht schreiben durfte.« (F[ackel] 5,10) Diese frustrierende Erfahrung ließ in ihm den Plan heranreifen, eine eigene Zeitschrift zu gründen. Die »Neue Freie Presse« suchte ihn von seinem Vorhaben abzubringen, indem sie ihm im Januar 1899 ihre renommierte Satire-Rubrik anbot. Einige Jahre vorher hatte K. noch von diesem Posten geträumt, jetzt aber, da er im Begriffe war, seine eigene Zeitschrift zu gründen, konnte ihn selbst dieses Angebot nicht mehr locken. Am 1. April 1899 erschien die erste Nummer der »Fackel«. In ihr hieß es programmatisch: »Das politische Programm dieser Zeitung scheint somit dürftig; kein tönendes "Was wir bringen", aber ein ehrliches "Was wir umbringen" hat sie sich als Leitwort gewählt.« (F 1,1) Dieses erste Heft fand so regen Zuspruch, daß es mehrmals nachgedruckt werden mußte und insgesamt eine Auflagenstärke von rund 30.000 Exemplaren erreichte. In den späteren Jahren bewegte sich die Auflagenhöhe zwischen 8500 und 10.000 Stück. »Die Fackel« erschien zunächst dreimal im Monat im Umfang von ca. 30 Seiten, ab Oktober 1904 in zwangloser Folge. Bis 1911 zählten zu den Mitarbeitern der Zeitschrift der Schriftsteller Peter Altenberg und der Architekt Adolf Loos - an die K. auch besondere persönliche Freundschaft band -, sowie Houston Stewart Chamberlain, Richard Dehmel, Egon Friedell, Jakob van Hoddis, Ludwig von Janikowski, Heinrich Lammasch, Else Lasker-Schüler, Wilhelm Liebknecht, Detlev von Liliencron, Heinrich Mann, Arnold Schönberg, August Strindberg, Frank Wedekind, Franz Werfel u. a. Ab November 1911 wurden alle Beiträge allein von K. verfaßt. Bis zu seinem Tode 1936 erschienen 922 Nummern mit insgesamt über 30.000 Seiten. »Die Fackel«, in der nahezu alle literarischen Gattungen vertreten sind, wurde oft auf ihren bloßen »Stoff« reduziert. Zwar ist K.s Zeitschrift sicherlich auch eines der bedeutendsten Zeitdokumente unseres Jahrhunderts, doch auch mehr als dies, nämlich ein einzigartiges literarisches Kunstwerk. K. bezieht sich in seinen Satiren und ethischen Essays zwar auf aktuelle Ereignisse und konkrete Personen, doch geht es ihm stets um die Allgemeingültigkeit des Einzelfalls. Die realen Personen des Tagesgeschehens werden zu universellen zeitlosen Typen menschlicher Dummheit und Österreich zur »Versuchsstation des Weltuntergangs«. (F 400, 46) In diesem Sinne spricht K. von den Personen, gegen die er polemisiert, als von »den Romanfiguren meiner Glossenwelt«. (F 676, 51f.) »Die Fackel« läßt sich so als epochaler »Roman« lesen, mit regelrechten Haupt- und Nebenfiguren, denn regelmäßig finden sich in K.s Texten Anspielungen und Verweise nicht nur innerhalb eines Heftes, sondern auch auf Fackelhefte, die Jahre zurück liegen. In den ersten Jahren glaubte K. mit seiner Zeitschrift tatsächlich die Korruption in Staat, Presse und Privatwirtschaft, den Nepotismus auf den Hochschulen und die Meinungsdiktatur der Presse - vor allem der allmächtigen »Neuen Freien Presse« - (satirisch) bekämpfen zu können, doch schon bald mußte er erkennen, daß er in einer Zeit lebte, in der die Wirklichkeit die Satire immer schon übertraf. »Ich war strafweise in eine Zeit versetzt, die es in sich hatte, so lächerlich zu sein, daß sie keine Ahnung hatte von ihrer Lächerlichkeit und das Lachen nicht mehr hörte.« (F 800, 1) - 1899 trat K. aus der israelitischen Kultusgemeinde aus, zunächst ohne einer anderen Konfession beizutreten. Bereits 1898 hatte K. die antizionistische Satire »Eine Krone für Zion« verfaßt, in der er sich gegen Theodor Herzl - der damals Feuilletonleiter der »Neuen Freien Presse« war - und sein, in den Augen K.s, utopisch-anachronistisches Projekt einer Rückkehr nach Israel wandte. K. war alles andere als Antisemit, denn wenn er in seinen Texten abfällig vom »Jüdischen« spricht, so ist damit eine gewisse Geisteshaltung gemeint, die mit Anbiederung und Spekulantentum zu tun hat, nichts aber mit rassischer oder religiöser Herkunft. In diesem Sinne schrieb er später: »Ich bin Gottseidank einer anderen Macht verantwortlich als den Juden des Geistes und den Christen des Gelds!« (F 554, 5) - Nach dem Tode des Vaters 1901 erhielt K. eine Rente aus seinem Erbteil, von der er seinen Lebensunterhalt bestellte, während er mit den Einnahmen aus der »Fackel« und den Lesungen die Zeitschrift finanzierte. Den Überschuß ließ er regelmäßig wohltätigen Organisationen zukommen. Privat traf K. 1901 der Tod der jungen Schauspielerin Annie Kalmar schwer, der er seit 1900 eng verbunden war. Ab 1905 begann K. seine Zeitschrift ausdrücklich als Ort der Kunst zu begreifen. Von dieser Zeit an nahmen die literarisch-ästhetischen Betrachtungen einen immer größeren Raum ein. Neben dem Kampf gegen Korruption und »Preßdiktatur« trat in den ersten Jahren der »Fackel« vor allem das Thema der Sexualjustiz und der heuchlerischen Sittenprozesse. Zu diesem Thema erschien 1908 K.s erster Essayband »Sittlichkeit und Kriminalität«, der wie alle folgenden Essaysammlungen überarbeitete Beiträge aus der »Fackel« enthielt. K. bekämpfte vor allem die bürgerlich-patriarchale Doppelmoral, welche die »Ehebrecherin« wie eine Hexe verfolgte und den männlichen »Ehebruch« als Kavaliersdelikt abtat. Zu einem besonderen Fall heißt es in »Sittlichkeit und Kriminalität«: »In Schimpf und Ernst sollte dieser Frau keine Demütigung erspart bleiben, und die Ehebrecherin erlitt, an den Pranger einer verhundertfachten Öffentlichkeit gepfählt, Torturen, welche ein Mittelalter, das bloß Daumenschrauben und nicht die Presse kannte, nicht zu vergeben hatte.« Worum es K. in diesem Buch geht, ist zweierlei. Erstens geht es ihm um die Verteidigung der (sexuellen) Freiheit der Frau, die er als weibliche »Natur« dem männlichen »Geist« gegenüberstellt. »Denn die Natur hat dem Weib die Sinnlichkeit als Urquell verliehen, an dem sich der Geist des Mannes Erneuerung hole.« (F 211, 27) Der zweite Punkt, um den es K. hier zu tun ist, ist die strikte Trennung von privater und öffentlicher Sphäre. Was K. bezweckte, war das Auseinanderhalten von Unmoral und Verbrechen, bzw. von Sittlichkeit und Kriminalität. Auch Sigmund Freud wurde auf K.s Essays zur Sexualität aufmerksam und schrieb ihm 1906 gar: »wir wenigen sollten [...] zusammenhalten.« Doch K. stand der Psychoanalyse durchaus kritisch gegenüber, wobei seine Kritik jedoch weniger Freud selbst, als vielmehr den »Psychoanalen«, also Freuds Anhänger-Epigonen galt. Wenn K. auch Freuds Betonung der Wichtigkeit der Sexualität bejahte, so lehnte er doch die Auswüchse des Pansexualismus seiner Schüler ab, denen Goethes Zauberlehrling nur als Masturbationsphantasie des Autors galt. Aber auch auf einen weiteren problematischen Aspekt in Freuds Theorie machte K. frühzeitig aufmerksam: auf ihre ideologisch-totalitäre Tendenz. Denn die psychoanalytische Theorie wies die Fähigkeit auf jeden Widerspruch als Bestätigung in sich aufzunehmen. Die Psychoanalyse »behält in jedem Falle Recht«. (F 241, 21) In Zusammenhang mit seiner Auseinandersetzung mit den Sittenprozessen stand auch sein Bruch mit Maximilian Harden 1907. K. erkannte, daß das ehemalige Vorbild Harden unter dem Vorwand ethisch-moralischer Motive skrupellosen Enthüllungsjournalismus betrieb, der in einer ungeheuer manierierten Sprache - die kaum mehr Deutsch war, so daß K. des öfteren »Übersetzungen aus Harden« in der »Fackel« publizierte - sich darin erging, intimste Einzelheiten aus dem Privatleben seiner Opfer einer hämisch grinsenden Öffentlichkeit vorzuwerfen. - Wie Adolf Loos in der Architektur die bloße Fassade und das Ornament ablehnte zugunsten sachlicher Funktionalität, so lehnte K. in der journalistischen Berichterstattung jegliche Phrase oder verfälschende Ausschmückung ab. In einem Aphorismus heißt es prägnant: »Adolf Loos und ich, er wörtlich, ich sprachlich, haben nichts weiter getan, als gezeigt, daß zwischen einer Urne und einem Nachttopf ein Unterschied ist und daß in diesem Unterschied erst die Kultur Spielraum hat. Die anderen aber, die Positiven, teilen sich in solche, die die Urne als Nachttopf, und die den Nachttopf als Urne gebrauchen.« Ein Sprachkunstwerk ist eine Sache, ein Zeitungsartikel eine andere. Hinter dieser Forderung nach Sachlichkeit der Berichterstattung verbarg sich eine tiefe Besorgnis: die Angst davor, daß die Menschen die Vorstellungskraft verlieren könnten, sich jene Grausamkeiten zu vergegenwärtigen, die sie jeden Tag - ästhetisch verbrämt bis zur Unkenntlichkeit - in der Zeitung lasen. So wurde K. vor dem ersten Weltkrieg hellhörig gegenüber Phrasen, die unerhörte Grausamkeiten in romantische Formulierungen kleideten. K. waren sie Vorboten des Krieges. Denn für ihn begann der Krieg nicht erst mit den Schüssen von Sarajevo, sondern schon Jahre zuvor, in dem Augenblick, in dem sich die Menschheit den Krieg nicht mehr vorstellen konnte. So sprach die Presse vom bevorstehenden Weltkrieg in Metaphern eines mittelalterlichen Turniers. So schrieben die Zeitungen von Schwertern und Rüstungen, wo es um Chlorgas, Flammenwerfer und Fliegerbomben ging. Die menschliche Phantasie hatte mit der Kriegstechnik nicht Schritt gehalten. Das »Technoromantische Abenteuer« des Ersten Weltkrieges war nach K. wesentlich Folge der Phantasiearmut und diese ihrerseits Folge der jahrelangen Phrasendrescherei der Presse. Deshalb war für K. der Journalismus die Ursache des Krieges. In »Die letzten Tage der Menschheit« heißt es: »Nicht daß die Presse die Maschinen des Todes in Bewegung setzte - aber daß sie unser Herz ausgehöhlt hat, uns nicht mehr vorstellen zu können, wie das wäre: das ist ihre Kriegsschuld!« - 1911 trat K. zum Katholizismus über. Taufpate in der Karlskirche in Wien war Adolf Loos. Doch wie zuvor seinen Austritt aus der israelitischen Kultusgemeinde, hielt er auch seine Konversion geheim. - 1910 veranstaltete K. seine erste Lesung aus eigenen Schriften. Bis 1936 hielt er insgesamt 700 Lesungen in Wien, Berlin, Paris und anderen Städten. Während K. in den ersten Lesungen hauptsächlich aus eigenen Schriften vorlas, nahmen in den letzten Jahren fremde Schriften einen immer größeren Raum ein. Vor begeistertem Publikum las er ganze Dramen u. a. von Goethe, Shakespeare oder Offenbach. 1912 begannen die Kontakte zum »Brenner-Kreis« um Ludwig von Ficker und die Freundschaft mit dem Verleger Kurt Wolf. Die Bekanntschaft mit der jungen Freiin Sidonie von Nadherny 1913, mit der er eine lebenslange leidenschaftliche und komplizierte Beziehung einging, wurde zum Anlaß für seine ersten Gedichte. Die Liebe zu dieser Frau, in deren Schloßpark in Janowitz (Janovice) auch Rainer Maria Rilke verkehrte, führte K. auch zur Revision seines Frauenbildes. »Denn sie verwirrte mit all ihrer Menschlichkeit seine Vorstellung vom Weiblichen«, wie er es in einem Brief an »Sidi« formulierte. Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, gehörte K. zu den ganz wenigen deutschsprachigen Dichtern, die den Krieg von Anfang an vehement bekämpften, während sich die meisten Schriftsteller in blutrünstiger Kriegslyrik oder doch zumindest in begeisterten Kriegsberichten ergingen. Während der ganzen Kriegsjahre schrieb K. in der »Fackel« gegen den Krieg, wobei viele Texte der Zensur zum Opfer fielen und die Zeitschrift des öfteren konfisziert wurde. Die größte Leistung K.s gegen den Krieg ist aber wohl sein offenes Dokumentationsdrama »Die letzten Tage der Menschheit«, an dem er von 1915 bis 1919 arbeitete. Vollständig erschien das Drama 1919. Schon während des Krieges hatte K. allerdings einzelne Teile daraus in der »Fackel« publiziert. In dieser »Tragödie in fünf Akten« verbindet K. die Montagetechnik des Dokumentationsdramas, also die Zitatencollage, mit surrealistischen und expressionistischen Motiven zu einer apokalyptischen Vision des Weltuntergangs. Im Vorwort heißt es: »Die unwahrscheinlichsten Taten, die hier gemeldet werden, sind wirklich geschehen; ich habe gemalt, was sie nur taten. Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt werden, sind wörtlich gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate. [...] Das Dokument ist Figur; Berichte erstehen als Gestalten, Gestalten verenden als Leitartikel; das Feuilleton bekam einen Mund, der es monologisch von sich gibt; Phrasen stehen auf zwei Beinen - Menschen behielten nur eines.« Wie bereits in den Vorkriegsglossen, geht es K. auch hier nicht primär um die Verbrechen der Mittelmächte, sondern diese dienen ihm nur als Beispiel für ein Geschehen, das die Tragödie der ganzen Menschheit ist. Wenn K. den republikanischen Bestrebungen zunächst kritisch gegenüber stand, so wandelte sich seine Einstellung zur Demokratie in Anbetracht des Krieges radikal. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie bekannte er sich offen zur Republik und rief dazu auf, die Sozialdemokratie zu wählen. - Am 7. März 1923 trat K. wieder aus der Kirche aus und blieb bis zu seinem Tode konfessionslos. Von der katholischen Kirche mochte er sich die Wahrung der traditionellen Werte erhofft haben, aber nach dem Krieg mußte er erkennen, daß auch die Kirche ihr Mäntelchen nach dem Winde hängte, wenn beispielsweise in Italien der Gottesmutter die Tapferkeitsmedaille verliehen wurde oder die Kollegienkirche in Salzburg, zur Hebung des Fremdenverkehrs, in einen Theatersaal umfunktioniert wurde. Bald legte sich auch seine Begeisterung für die Republik und die österreichische Sozialdemokratie, denn diese fuhr, von übermäßiger Vorsicht geleitet, einen Kompromißkurs zwischen bürgerlichem und kommunistischem Lager, ohne ein eigenständiges Konzept zu verfolgen. Und auch die alte »Preßdiktatur« kehrte zurück - schlimmer noch als in der Monarchie. 1925 hielt K. mehrere Vorlesungen an der Sorbonne in Paris, und noch im selben Jahr reichten die französischen Professoren seinen Namen für den Nobelpreis ein. - Von 1923 bis 1926 wurde Emmerich Békessy, der erpresserische Herausgeber mehrerer Boulevardblätter, zum Hauptangriffsziel der »Fackel«. Schließlich gelang es K., Békessy zu überführen, so daß dieser 1926, von der Staatsanwaltschaft wegen Erpressung angeklagt, aus Wien floh. K.s Losung »Hinaus aus Wien mit dem Schuft!« (F 691, 40), die bald zu einem geflügelten Wort geworden war, hatte Wirkung gezeigt. Doch die Freude über den Sieg über Békessy sollte nicht lange währen. Am 15. Juli 1927 kam es in Wien bei einer sozialdemokratischen Großdemonstration gegen ein offensichtliches Fehlurteil in einem Prozeß gegen Mitglieder des rechtsextremen Heimwehrbundes zur Inbrandsetzung des Justizpalastes, woraufhin der Wiener Polizeipräsident und spätere Bundeskanzler Johann Schober wahllos in die unbewaffnete Menge schießen ließ. Im Kugelhagel der berittenen Polizei starben 90 Menschen. Die christlich-soziale Regierung unter dem Prälaten Ignaz Seipel feierte das Massaker als »Standhaftigkeit«. K. war entsetzt und ließ die Stadt mit einer Rücktrittsaufforderung an Schober plakatieren. Obwohl es ihm nicht gelang, Schober zum Rücktritt zu zwingen, konnte er in diesen Jahren doch noch einen Erfolg verzeichnen. 1928 gelang es ihm, den Schriftsteller Alfred Kerr, der sich nach dem Krieg als großer Pazifist feiern ließ, als den Autor zahlreicher, unter dem Pseudonym Gottlieb verfaßter, blutrünstiger Kriegsgedichte zu entlarven. - Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland 1933 schrieb K. am Text der »Dritte[n] Walpurgisnacht«, einer sachlich luziden und stilistisch virtuosen Auseinandersetzung mit den Ereignissen in Deutschland. Aus Furcht davor, daß sein über 300 Seiten starker Text zu nationalsozialistischen Racheakten an unbeteiligten Dritten führen könnte, hielt er ihn aber zunächst zurück. Im Juli 1934 entschloß er sich dann aber doch noch, die »Dritte Walpurgisnacht« leicht verändert in der »Fackel« zu veröffentlichen. Dieser Text, der von Mai bis September 1933 geschrieben wurde, besteht zu einem guten Teil aus kommentierten Textcollagen zeitgenössischer Zeitungsberichte, die mit Zitaten aus den Werken Goethes und Shakespeares verwoben sind, denn diese Dichter hätten »alles vorausgewußt«. Dieses erschütternde Werk räumt ein für allemal mit der Alibierklärung auf, in den ersten Jahren der Diktatur hätte niemand absehen können, wohin der Nationalsozialismus führen würde. K.s »Dritte Walpurgisnacht« beweist, daß es genügte, die (nationalsozialistischen!) Zeitungen zu lesen, um zu wissen, was vor sich ging. Wie bereits im Ersten Weltkrieg bringt K. die Verwirklichung des Schreckens mit dem Mangel an Vorstellungskraft in Verbindung. Dieser führte dazu, daß Redewendungen wie »Salz in offene Wunden streuen« in den Folterkellern der Gestapo wieder Wirklichkeit werden konnten - ein Phänomen, das K. die »Revindikation des Phraseninhalts« nennt. Aber auch auf die eigentümliche Verbindung von irrationalem Mythos und rationalster Technik als Wesensmerkmal des Nationalsozialismus macht K. aufmerksam, wenn er diesen als »Gleichzeitigkeit von Elektrotechnik und Mythos, Atomzertrümmerung und Scheiterhaufen« charakterisiert. - Was die innenpolitische Situation Österreichs anging, so sah er - zum großen Unverständnis seiner meisten Freunde - die einzige Gewähr der Unabhängigkeit Österreichs nicht in der Sozialdemokratie, sondern im austrofaschistischen Regime unter Engelbert Dollfuß. K. war zu dieser Ansicht vor allem durch das traurige Schauspiel der deutschen Sozialdemokratie gelangt, die unfähig gewesen war, die Gefahr rechtzeitig richtig einzuschätzen. K. hatte frühzeitig erkannt, daß der Nationalsozialismus das größte aller Übel war und daß ihn zu verhindern fast alles in Kauf genommen werden mußte. Als im Juli 1934 Dollfuß bei einem gescheiterten nationalsozialistischen Putsch ermordet wurde, war K. schwer erschüttert, hoffte aber weiterhin auf die Fortführung Dollfuß' Politik unter dessen Nachfolger Kurt Schuschnigg. - Seit 1933 litt K. an einem Herzleiden. Am 12. Juni 1936 erlag er nach zehntägiger Krankheit einem Herz- und Gehirnschlag. Das Grab befindet sich auf dem Zentralfriedhof in Wien, der Nachlaß zum größten Teil in der »Wiener Stadt- und Landesbibliothek«.

Werke: Die demolierte Literatur, Wien 1897; Eine Krone für Zion, Wien 1898; Die Fackel, Nr. 1-922, Wien 1899-1936 [photmechanischer Nachdruck München 1968-1976 sowie Frankfurt a. M. 1977]; Sittlichkeit und Kriminalität (Ausgewählte Schriften Bd. 1), Wien 1908; Sprüche und Widersprüche (Ausgewählte Schriften Bd. 2), München 1909; Heine und die Folgen, München 1910; Die chinesische Mauer (Ausgewählte Schriften Bd. 3), München 1910; Pro domo et mundo (Ausgewählte Schriften Bd. 4), München 1912; Worte in Versen I, Leipzig 1916; Worte in Versen II, Leipzig 1917; Nachts, Leipzig 1918; Worte in Versen III, Leipzig 1918; Weltgericht, Leipzig 1919; Worte in Versen IV, Leipzig 1919; Peter Altenberg, Wien 1919; Die Ballade vom Papagei. Couplet Macabre. Worte und Melodie von Karl Kraus, Wien 1919; Ausgewählte Gedichte, Leipzig 1920; Worte in Versen V, Leipzig 1920; Literatur oder Man wird doch da sehn, Wien-Leipzig 1921; Die letzten Tage der Menschheit, Wien-Leipzig 1922; Untergang der Welt durch schwarze Magie, Wien-Leipzig 1922; Worte in Versen VI, Wien-Leipzig 1922; Traumstück, Wien-Leipzig 1923; Wolkenkuckucksheim. Phantastisches Versspiel in drei Akten auf der Grundlage der »Vögel« von Aristophanes (mit Beibehaltung einiger Stellen der Chöre in der Schinck'schen Übersetzung), Wien-Leipzig 1923; Worte in Versen VII, Wien-Leipzig 1923; Traumtheater, Wien-Leipzig 1924; Worte in Versen VIII, Wien-Leipzig 1925; Epigramme (Zusammengestellt von Viktor Stadler), Wien-Leipzig 1927; Die Unüberwindlichen, Wien-Leipzig 1928; Literatur und Lüge, Wien-Leipzig 1929; Worte in Versen IX, Wien-Leipzig 1930; Zeitstrophen, Wien-Leipzig 1931; Shakespeares Sonette. Nachdichtungen, Wien-Leipzig 1933; Adolf Loos, Rede am Grabe, Wien 1933; Die Sprache (posthum), hrsg. v. Philipp Berger, Wien-Leipzig 1937; Briefe an Sidonie Nadherny, hrsg. v. Michael Lazarus u. Heinrich Fischer, München 1974 [Taschenbuchausgabe München 1977]; Magie der Sprache, Ein Lesebuch, hrsg. v. Heinrich Fischer, Frankfurt a. M. 1974; Frühe Schriften, hrsg. v. J. J. Braakenburg, 2 Bde., München 1979; Schriften, hrsg. v. Christian Wagenknecht, 20 Bde. Frankfurt a. M. 1986ff [I. Abteilung: 1. Sittlichkeit und Kriminalität, 2. Die chinesische Mauer, 3. Literatur und Lüge, 4. Untergang der Welt durch schwarze Magie, 5. Weltgericht I, 6. Weltgericht II, 7. Die Sprache, 8. Aphorismen, 9. Gedichte, 10. Die letzten Tage der Menschheit, 11. Dramen, 12. Dritte Walpurgisnacht; II. Abteilung: 13. Theater der Dichtung Jacques Offenbach, 14. Theater der Dichtung Nestroy Zeitstrophen, 15. William Shakespeare, 16. Brot und Lüge, 17. Stunde des Gerichts, 18. Hüben und Drüben, 19. Die Katastrophe der Phrasen, 20. Kanonade auf Spatzen]; Der Briefwechsel von Karl Kraus und Otto Stoessl, Wien 1995.

Bibliographie: Otto Kerry, Karl-Kraus-Bibliographie, mit einem Register der Aphorismen, Gedichte, Glossen und Satiren, München 1970; - Otto Kerry, Nachtrag zur Karl-Kraus-Bibliographie, in: Modern Austrian Literature (Special Karl Kraus Issue), Vol. VIII, N° 1/2 (1975), 103-210; - Sigurd Paul Scheichel, Kommentierte Auswahlbibliographie zu Karl Kraus, in: Text & Kritik (Sonderband Karl Kraus), hrsg. v. Heinz Ludwig Arnold, München 1975, 158-241; - Sigurd Paul Scheichel, Kommentierte Auswahlbibliographie, erscheint unregelmäßig in: Kraus Hefte, hrsg. v. S. P. Scheichel und Christian Wagenknecht, München 1977ff.

Lit.: Robert Scheu, Karl Kraus, Wien 1909; - Carl Dallago, Karl Kraus als Mensch, in: Studien über Karl Kraus, Innsbruck 1913; - Theodor Haecker, Sören Kierkegaard und die Philosophie der Innerlichkeit, Innsbruck 1913; - Karl Borromäus Heinrich, Karl Kraus als Erzieher, in: Studien über Karl Kraus, Innsbruck 1913; - Robert Müller, Karl Kraus oder Dalai Lama, der dunkle Priester, Wien 1914; - Otto Stoessel, Lebensform und Dichtungsform, München 1914; - Karl F. Kocmata, Karl Kraus und die Helden der Feder, in: Neue Bahnen 2 (1916); - Rundfrage über Karl Kraus, hrsg. v. Ludwig von Ficker, Innsbruck 1917 [Mit Beiträgen von Else Lasker-Schüler, Richard Dehmel, Frank Wedekind, Thomas Mann, Peter Altenberg, Georg Trakl, Adolf Loos, Otto Stoessl, Salomon Friedländer, Peter Baum, Carl Dallago, Arnold Schönberg, L. E. Tesar, Walter Otto, Karl Borromäus Heinrich, Karl Hauer, Robert Scheu, Albert Ehrenstein, J. Lanz von Liebenfels, Hermann Broch, Thaddäus Rittner, Albert Mombert, Richard Schaukal, Marcel Ray, Willy Haas, Otto Rommel, Franz Werfel, Oskar Kokoschka, Stefan Zweig]; - Berthold Viertel, Karl Kraus - Ein Charakter und die Zeit, in: Die Schaubühne 1917 [wieder abgedruckt in: ders., Dichtung und Dokumente, hrsg. v. Ernst Ginsberg, München 1956]; - Franz Werfel, Die Metaphysik des Drehs, in: Die Aktion (April 1917); - Karl-Kraus-Heft. Mit Beiträgen von Franz Schöffel, Fritz Karpfen, Bernhard Boynenburg, Karl Burger, Leo Gottlieb, Maximilian Lazarowitz, Hans Heider, in: VER! 16/17 (1918); - Leopold Liegler, Karl Kraus und die Sprache, Wien 1918; - Heinrich Fischer, Bestattungen, in: Die Wage 4 (1919); - Heinrich Fischer, Karl Kraus, in: Die Wage 14/15 (1919); - Heinrich Fischer, Karl Kraus und die kommunistische Taktik in Ungarn, in: Die Wage 35/36 (1919); - Albert Ehrenstein, Karl Kraus, in: Die Gefährten III/7, Wien 1920; - Leopold Liegler, Karl Kraus und sein Werk, Wien 1920; - Franz Werfel, Der Spiegelmensch, München 1920; - Heinrich Fischer, Karl Kraus, in: Die Weltbühne XVII/3 (1921); -Heinrich Fischer, Ein Buch über Karl Kraus, in: Die Weltbühne XVII/33 (1921); - Oskar Pollak, Ein Künstler und Kämpfer, in: Der Kampf, XVI/1 (1923); - Friedrich Austerlitz, Karl Kraus, in: Arbeiter-Zeitung (Wien) vom 27. April 1924; Hugo Bettauer, Das Geburtstagsgeschenk, in: Der Tag (Wien) vom 27. April 1924; - Berthold Viertel, Karl Kraus, Festrede zum fünfzigsten Geburtstag, Wien 1924; - Vorlesungen von Karl Kraus, in: Blätter des Lustspielhauses, Berlin 1924; - Anton Kuh: Der Affe Zarathustras: Karl Kraus, Wien 1925; - Heinrich Stephan Sedlmayer, Karl Kraus von seinem »alten Lehrer«, in: Die Mutter I75 (1925); - Friedrich Austerlitz, Der wahre Karl Kraus, in: Der Kampf XIX/7 (1926); - Hans Menzinger, Karl Kraus und die Arbeiterschaft, in: Der Kampf XIX/8 (1926); - Oskar Pollak, Noch einmal Karl Kraus, in: Der Kampf XIX/6 (1926); - Oskar Pollak, Noch einmal die Kraus-Anhänger, in: Der Kampf XIX/8 (1926); - Karl-Kraus-Heft. Mit Beiträgen von Bendikt Fantner, Paul Sonnenfeld, in: Junge Menschen VIII/12 (1927); - Walter Benjamin, Karl Kraus, in: Frankfurter Zeitung 1931 [wieder abgedruckt in: ders., Illuminationen, Frankfurt a. M. 1961 jetzt in: ders., Gesammelte Schriften, hrsg. v. Rolf Tiedemann und Hermann Schewppenhäuser, Frankfurt a. M. 1977 Bd. II, 1, 334-367]; - Richard Flatter, Karl Kraus als Nachdichter Shakespeares, Wien 1933; - Richard Schaukal, Karl Kraus, Wien 1933; - Ludwig Ficker, Vorbemerkung zum 60. Geburtstag von Karl Kraus, in: Brenner XV. Folge, Innsbruck 1934; - Heinrich Fischer, Karl Kraus und die Jugend, Wien 1934; - Edwin Rollett, Karl Kraus, Wien 1934; - Stimmen über Karl Kraus zum 60. Geburtstag, Wien 1934 [Mit Beiträgen von Else Lasker-Schüler, Henri Barbusse, Albert Bloch, Karel Capek, Jaques Brindejoint-Offenbach, Karl Boromäus Heinrich, Josef Hora, Mechtilde Lichnowsky, Jan Münzer, Marcel Ray, Berthold Viertel, Alban Berg, Oskar Jellinek, Gustav Zorn u. a.]; - Heinrich Fischer, Abschiedsworte für Karl Kraus, Wien 1936; - Leopold Liegler, In Memoriam Karl Kraus, Wien 1936; - Karl Thieme, Der Apokalyptiker Karl Kraus, in: Die Erfüllung, Wien 1936; - August Zechmeister, Nachruf auf Karl Kraus, in: Hochland 11 (1936); - Georg Moenius, Karl Kraus, der Kämpfer sub specie aeternitatis, Wien 1937; - Alfred Zohner, Jung Österreich, Jung Wien (Café Griensteidl), in: Deutschösterreichische Literaturgeschichte Bd. 4., Wien 1937; - Helene Kann, Erinnerungen an Karl Kraus, in: National-Zeitung vom 22. April 1944; - Elisabeth Brock-Sulzer, Karl Kraus als Stilkritiker, in: Trivium III/4 (1945); - Viktor Matejka, Gedenkrede auf Karl Kraus, in: Plan I/2 (1945); - Friederike Manner, Karl Kraus, in: Plan I/6 (1946); - Oskar Pollak, Die Karl Kraus-Legende, in: Arbeiter-Zeitung vom 18. August 1946; - Hans Wehberg, Karl Kraus, in: Friedenswarte 1-2 (1946); - Francois Bondy, Karl Kraus und die Nachwelt, in: Exlibris II/1 (1947); - Erich Heller, The last days of mankind, in: Cambridge Journal 1948; - Karl Rosner, Damals, Düsseldorf 1948; - Berthold Viertel, Erinnerungen an Karl Kraus, in: Lynkeus I/3 (1949); - Germaine Goblot, Les parents de Karl Kraus, in: Études Germaniques V/1 (1950); - Kurt Hiller, Köpfe und Tröpfe, Reinbeck bei Hamburg 1950; - Elisabeth Kubasta, Karl Kraus als Lyriker, phil Diss., Wien 1951; - Werner Kraft, Eine Einführung in sein Werk und eine Auswahl, Wiesbaden 1952; - Friederike Manner, Karl Kraus, in: Buch und Bücherrei III/9-19 (1952); - Mechtilde Lichnowsky, Zum Schauen bestellt, Eßlingen a. N. 1953; - Sigismund von Radecki, Wie ich glaube, Olten-Köln 1953; - Erich Heller, Enterbter Geist, Frankfurt a. M. 1954; - Erich Heller, Karl Kraus und die schwarze Magie der Sprache, in: Der Monat VI/64 (1954); - Karl Kraus zur achzigsten Wiederkehr seines Geburtstags. Mit Beiträgen von Heinrich Fischer, Hans Heinz Hahnl, Helene Kann, Alfred Polgar, Friedrich Torberg, in: Forum I/4 (1954); - Elisabeth Brock-Sulzer, Karl Kraus und das Theater, in: Akzente 6/1955 (1955); - Günther Busch, Der sprachliche Weltentwurf, in: Akzente 6/1955 (1955); - Helmut Uhlig, Vom Pathos der Syntax, in: Akzente 6/1955 (1955); - Hans Heinz Hahnl, Karl Kraus und das Theater, in: Wort in der Zeit II/6 (1956); - Werner Kraft, Karl Kraus, Beiträge zum Verständnis seines Werkes, Salzburg 1956; - Karl Kraus zum zwanzigten Todestag. Mit Beiträgen von Heinrich Fischer, Erich Heller, Edwin Hartl, Franz Mittler, Paul Schick, Kurt Wolf u. a., in: Forum III/30 (1956); - Johannes Pfeiffer, Über das Dichterische und die Dichter, Hamburg 1956; - Paul Schick, Der Satiriker und der Tod, in: Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Wiener Stadtbibliothek, Wien 1956; - L. Sternbach-Gärtner, Karl Kraus und Offenbach, in: Der Monat VIII/96 (1956); - L. Sternbach-Gärtner, Karl Kraus und Frankreich, in: Hochland (August 1956); - L. Sternbach-Gärtner, Bertolt Brecht und Karl Kraus, in: Neue Deutsche Literatur 10 (1956); - Berthold Viertel, Dichtungen und Dokumente, München 1956; - Kurt Wolf, Begegnung mit dem Absoluten, in: Forum III/30 (1956); - Heinrich Fischer, Das Private an Karl Kraus, in: Hochland 50 (1957); - Hans Mayer, Karl Kraus und die Nachwelt, in: Sinn und Form IX/5 (1957) [wiederabgedruckt in: Hans Mayer, Ansichten. Zur Literatur der Zeit, Reinbeck bei Hamburg 1963, 71-84]; - Sigismund von Radecki, Das Schwarze sind die Buchstaben, Köln 1957; - Max Rycher, Arachne, Zürich 1957; - Ernst Krenek, Zur Sprache gebracht, München 1958; - Mechtilde Lichnowsky, Heute und Vorgestern, Wien 1958; - Friedrich Janaczek, Zuzumuten und Zuzutrauen, in Stifter-Jahrbuch VI/1959; - Werner Kraft, Henri Rochfort und Karl Kraus, in: Forum VI/5 (1959); - Fritz Schalk, Karl Kraus und die Satire, in: Euphorion 3. Folge, Bd. 53, Heft 2 (1959); - Zum Thema Karl Kraus. Mit Beiträgen von Günther Busch, Werner Kraft, Max Rychner, in: Forum VI/64 (1959); - Kurt Tucholsky, Weltgericht (1920), in: Ders., Gesammelte Werke, hrsg. von. Mary Gerold-Tucholsky, Bd. 1: 1907-1924, Reinbeck bei Hamburg 1960, 651-653; - Heinrich Fischer, Erinnerungen an Karl Kraus, in: Forum VIII/90 (1961); - Friedrich Janaczek, Karl Kraus, in: Werkhefte XV/10-11 (1961); - Werner Kraft, Ludwig Wittgenstein und Karl Kraus, in Neue Rundschau 72 (1961), 612-644; - Karl Kraus zum fünfundzwanzigsten Todestag. Mit Beiträgen von Heinrich Fischer, Ernst Ginsberg u. a., in: Forum VIII/90 (1961); - Walter Muschg, Von Trakl zu Brecht, München 1961; - Helga Malmberg, Widerhall des Herzens, München 1961; - Kurt Tucholsky, Berliner Theater (1929), in: Ders., Gesammelte Werke, hrsg. von Mary Gerold-Tucholsky, Bd. 3: 1929-1932, Reinbeck bei Hamburg, 242-248; - Friedrich Janaczek, Zum Begriff »Wortgestalt«, Über den Einfluß der Ästhetik von Kraus auf Josef Weinheber, in: Stifter-Jahrbuch VII/1962; - Hans Kohn, Karl Kraus - Arthur Schnitzler - Otto Weininger, Aus dem jüdischen Wien der Jahrhundertwende, Tübingen 1962; - Joachim Stephan, Satire und Sprache. Zu dem Werk von Karl Kraus, München 1962; - Ferdinand Ebner, Zum Problem der Sprache und des Wortes, in: Schriften Bd. 1, München 1963; - Erich Heller, Studien zur deutschen Literatur, Frankfurt a. M. 1963; - Willi Reich, Kurt Wolf und Karl Kraus, in: Kurt Wolf 1887-1963, Frankfurt a. M. 1963; - Friedrich Jenaczek, Zeittafeln zur »Fackel« : Themen - Ziele - Probleme (Mit einer Einführung von Emil Schönauer: Über Karl Kraus), München 1965; - Paul Schick, Karl Kraus, in: Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbeck bei Hamburg 1965; - Christian Wagenknecht, Das Wortspiel bei Karl Kraus, Göttingen 1965; - Caroline Kohn, Karl Kraus, Stuttgart 1966; - Frank Field, The Last Days of Mankind, Karl Kraus and his Vienna, London 1967; - Paul Engelmann, Dem Andenken an Karl Kraus, Eine Sammlung, Wien 1967; - Joseph Markus, Sprache und Ursprung, in: Paul Engelmann, Dem Andenken an Karl Kraus, Wien 1967; - Hans Weigel, Karl Kraus oder die Macht der Ohnmacht, Wien 1968; - Andreas Disch, Das gestaltete Wort. Die Idee der Dichtung im Werk von Karl Kraus, Zürich 1969; - Michael Nauman, Der Abbau einer verkehrten Welt, Satire und politische Wirklichkeit im Werk von Karl Kraus, München 1969; - Helmut Arntzen, Literatur im Zeitalter der Information, Frankfurt a. M. 1971; - Mechtild Borries, Ein Angriff auf Heinrich Heine, Kritische Betrachtungen zu Karl Kraus, Stuttgart 1971; - Ludwig Ficker, Denkzettel und Danksagungen, München 1971; - Roberto Calasso, Una muraglia cinese, in: Karl Kraus, Detti e contradetti, Milano 1971, 9-68; - Walter Benjamin, Wedekind und Kraus in der Volksbühne (1929), in: Ders.: Gesammelte Schriften 4/1.2., Frankfurt a. M. 1972, 551-554; - Peter Fässler, Studien zur »Sprachlehre« von Karl Kraus, Zürich 1972; - Jens Malte Fischer, Karl Kraus. Studien zum »Theater der Dichtung« und Kulturkonservativismus, Kronberg 1973; - Volker Bohn, Satire und Kritik, Über Karl Kraus, Frankfurt a. M. 1974; - Werner Kraft, Das Ja des Neinsagers. Karl Kraus und seine geistige Welt, München 1974; - Helmuth Arntzen, Karl Kraus und die Presse, München 1975; - Alfred Pfabigan, Karl Kraus und der Sozialismus, Eine politische Biographie, Wien 1976; - Josef Quack, Bemerkungen zum Sprachverständnis von Karl Kraus, Bonn 1976; - Gerald Stieg, Der Brenner und die Fackel, Ein Beitrag zur Wirkungsgeschichte von Karl Kraus, Salzburg 1976; - Theodor W. Adorno, Sittlichkeit und Kriminalität, Zum elften Band der Werke von Karl Kraus, in: Ders., Noten zur Literatur, Frankfurt a. M. 1977, 366-387; - Rudolf Bähr, Grundlagen für Karl Kraus' Kritik an der Sprache im nationalsozialistischen Deutschland, Köln 1977; - Walter Benjamin, Karl Kraus, in: Ders., Gesammelte Schriften, hrsg. von Rolf Tiedemann, Bd. 2, Frankfurt a. M. 1977, 334-367; - Franz Ögg, Personenregister zur Fackel von Karl Kraus, Frankfurt a. M. 1977; - Robert Musil, Wiener Theater (1924), in: Ders.: Gesammelte Werke in 9 Bänden, hrsg. von Adolf Frisé, Bd. 9: Kritik, Reinbeck bei Hamburg 1978, 1659-1661; - Wolfgang Mieder, Karl Kraus und der sprichwörtliche Aphorismus, in: Muttersprache 89 (1979), 97-115; - Manfred Mixner, Zweimal Shakespeare. Die Übersetzungen von Erich Fried und die Bearbeitungen von Karl Kraus, in: Literatur und Kritik 14 (1979), 413-420; - Martina Bilke, Zeitgenossen der »Fackel«, Wien 1981; - Jay F. Bodine, Die Sprachauffassung und Sprachkritik von Karl Kraus, Ein Forschungsbericht über untersuchungen der siebziger Jahre, in: Revue Belge de Philologie et d`Histoire 59 (1981), 665-683; - Hans E. Goldschmidt, Von Grubenhunden und aufgebundenen Bären im Blätterwald, Wien/München 1981; - Norbert Ruske, Szenische Realität und historische Wirklichkeit, Eine Untersuchung zu Karl Kraus: »Die letzten Tage der Menschheit«, Frankfurt a. M. 1981; - Helmut Rössler, Karl Kraus und Nestroy, Kritik und Verarbeitung, Stuttgart 1981; - Silvio Vietta, Wahnsystem und Geschichtskatastrophe: Karl Kraus' »Die letzten Tage der Menschheit«, in: Ders.: Neuzeitliche Rationalität und moderne literarische Sprachkritik, München 1981, 158-211; - Werner Kraft, Ferdinand Ebner und Karl Kraus, in: Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv 1 (1982), 8-41; - Jochen Stremmel, »Dritte Walburgisnacht«: über einen Text von Karl Kraus, Bonn 1982; - Nike Wagner, Geist und Geschlecht, Karl Kraus und die Erotik der Wiener Moderne, Frankfurt a. M. 1982; - Harald Fricke, Karl Kraus: Virtuose des Hasses, in: Ders., Aphorismus, Stuttgart 1984, 125-132; - Georg Knepler, Karl Kraus liest Offenbach, Wien 1984; - Bernahrd Adamy, Schopenhauer-Rezeption bei Karl Kraus, in: Schopenhauer-Jahrbuch 66 (1985), 85-102; - Wilhelm Hindemith, Die Tragödie des Nörglers, Studien zu Karl Kraus' moderner Tragödie: »Die letzten Tage der Menscheit«, Frankfurt a. M. 1985; - Karl Kraus in neuer Sicht, Londoner Kraus-Symposion, hrsg. v. Sigurd Paul Scheichel und Edward Timms, München 1986; - Jutta Jacobi, Journalisten im literarischen Text: Studien zum Werk von Karl Kraus, Egon Kisch und Franz Werfel, Frankfurt 1989; - Stefan H. Kaszynski (Hrsg.), Karl Kraus - Ästhetik und Kritik: Beiträge des Kraus-Symposiums Posznan, München 1989; - Gerald Steig, Frucht des Feuers: Canetti, Doderer, Kraus und der Justizpalastbrand, Wien 1990; - Joseph P. Strelka (Hrsg.), Karl Kraus. Diener der Sprache. Meister des Ethos, Tübingen 1990; - Harry Zohn, Karl Kraus, Meisenham 1990; - Gabriele Blaikner-Hohenwart, Karl Kraus als »Übersetzer« von Shakespeares »Troilus und Cressida«, in: Wolfgang Pöckl (Hrsg.), Österreichische Dichter als Übersetzer, Wien 1991; - Alfred Pfabigan, Geistesgegenwart: Essays zu Joseph Roth, Karl Kraus, Adolf Loos, Jura Sayer, Wien 1991; - Kurt Krolop, Sprachsatire als Zeitsatire bei Karl Kraus, Berlin 1992; - Janos Szabo, Untergehende Monarchie und Satire: zum Lebenswerk von Karl Kraus, Budapest 1992; - Fritz Betz, Das Schweigen des Karl Kraus: Paradoxien des Medienalltags, Pfaffenweiler 1994; - Georg Kranner, Kraus contra George: Kommentare zu den Übertragungen der Sonette Shakespeares, Wien 1994; - Kurt Krolop, Reflexionen der Fackel: Neue Studien über Karl Kraus, Wien 1994; - Reinhard Merkel, Strafrecht und Satire im Werk von Karl Kraus, Baden-Baden 1994; - Adolfo Spadoni, Il Mondo giuridico e politico di Karl Kraus: i capricci della contaddizione, Milano 1994; - Burkhard Müller, Karl Kraus: Mimesis und Kritik des Mediums, Stuttgart 1995; - Edward Timms, Karl Kraus. Satiriker der Apokalypse. Leben und Werk 1874-1918, Wien 1995; - John Theobald, The paper ghetto: Karl Kraus and anti-semitism, Frankfurt a. M. 1996; - Christopher Thornhill, Walter Benjamin and Karl Kraus: problems of a »Wahlverwandschaft«, Stuttgart 1996; -Werner Anzenberger, Absage an eine Demokratie: Karl Kraus und der Bruch der österreichischen Verfassung 1933/34, Graz 1997; - Alexander Lang, Ursprung ist das Ziel, Frankfurt a. M. 1997; - Werner Welzig (Hrsg.), Wörterbuch der Redensarten (= Wörterbuch zur Fackel Bd. 1), Wien 1999.

Martin Weiß

Werkeergänzung:

2005

Briefe an Sidonie Nádherný von Borotin (1913-1936). 2 Bde. Göttingen 2005; -

2007

Ich bin der Vogel, den sein Nest beschmutzt. Aphorismen, Sprüche u. Widersprüche. Neu gesetzte Ausg. nach d. Ausg. Leipzig 1919 u. Wien-Leipzig 1924. Wiesbaden 2007; Denken mit K.K. Sprüche u. Widersprüche über Moral u. Politik, Phantasie u. Künstler, Frauen u. Psychologen, Journalisten u. Dummköpfe. Ausgew. von Daniel Keel u. Daniel Kampa. Mit Aufsätzen über K.K. von Kurt Wolff u. Hans Weigel. Zürich 2007; Zwischen Jüngstem Tag u. Weltgericht. K.K. u. Kurt Wolff ; Briefwechsel 1912-1921. Hrsg. von Friedrich Pfäfflin. Göttingen 2007; Karl Kraus ; Frank Wedekind, Briefwechsel. 1903 bis 1917. Mit e. Einf., hrsg. u. komm. von Mirko Nottscheid. Würzburg 2007;

2009

Karl Kraus ; Rosa Luxemburg, Büffelhaut u. Kreatur. Die Zerstörung d. Natur u.d. Mitleiden d. Satirikers. Hrsg. u. mit e. Nachw. von Friedrich Pfäfflin. Berlin 2009; Wiener Wahrheiten. Wien 2009;

2010

Das große Lesebuch. Hrsg. von Heinz Ludwig Arnold. Frankfurt/M. 2010.

Literaturergänzung:

2003

Gabriella D'Onghia, Teatro e teatralità nell'opera di K.K. Roma 2003 (=Saggi; 11); -

2005

Ruth Esterhammer, K. über Heine. Würzburg 2005; - Edward Timms, K.K., apocalyptic satirist. New Haven 2005; - Leo A. Lensing, Brief über d. Vater. Warmbronn 2005; -

2006

Edward Timms, K.K. u.d. Kampf ums Recht. Wien 2006; - Simon Ganahl, Ich gegen Babylon. K.K. u.d. Presse im Fin de Siècle. Wien 2006; - "Was wir umbringen". "Die Fackel" von K.K. Hrsg. von Heinz Lunzer ... Neuaufl. Wien 2006; - Amália Kerekes, Schreibintensitäten. Alterationen d. journalist. Wahrnehmung im Spätwerk von K.K. Frankfurt a.M. 2006; - Dorota Szczesniak, Zum Aphorismus d. Wiener Moderne. Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Karl Kraus. Stuttgart 2006; - Friedrich Pfäfflin, Richard Lányi. 2 Bde. Warmbronn 2006; -

2007

Jens Malte Fischer, Nimmundlies (XV). K.K.: "Dritte Walpurgisnacht", in: Merkur 61.2007, S. 554-559; - Beate Petra Kory, Im Spannungsfeld zwischen Literatur u. Psychoanalyse. Die Auseinandersetzung von Karl Kraus, Fritz Wittels u. Stefan Zweig mit d. "großen Zauberer" Sigmund Freud. Stuttgart 2007; -

2008

Aus großer Nähe. K.K. in Berichten von Weggefährten u. Widersachern. Hrsg. von Friedrich Pfäfflin. Göttingen 2008; - Stefan Groß, Die Philosophie K.C.F.K.s im Lichte d. abendländ. Geistesmetaphysik. Frankfurt/M. 2008; - Richard Schuberth, 30 Anstiftungen zum Wiederentdecken von K.K. Wien 2008.

Letzte Änderung: 06.02.2010