ELEONORE von Aquitanien (auch als Eleonore von Guyenne oder Eleonore von Poitou bekannt); Erbtochter von Herzog Wilhelm X. von Aquitanien und dessen Frau Eleonore von Châtellerault; Ehefrau von König Ludwig VII. von Frankreich und nach der Annullierung dieser Ehe von König Heinrich II. von England; * 1122 im Herzogspalast von Poitiers oder im Palast von Ombrière in Bordeaux (der genaue Geburtstag von Eleonore ist unbekannt, doch kann das Geburtsjahr anhand eines Treueschwurs bestimmt werden, den die aquitanischen Grafen Eleonore an ihrem 14. Geburtstag im Jahr 1136 geleistet haben); † 1. April 1204 in Fontevraud-l´Abbaye in der Nähe von Saumur an der Loire (heute Departement Maine-et-Loire), Frankreich. Eleonore ist in der dortigen von ihr stark geförderten ehemaligen Benediktinerabtei beigesetzt. - Eleonore von Aquitanien gehört zweifellos zu den mächtigsten und auch schillerndsten Frauengestalten des Mittelalters. Da sich Eleonore von Aquitanien nicht in die ihr zugedachte Rolle als stille und biedere Ehefrau und Mutter einfügte, sondern Unabhängigkeit und Stärke demonstrierte, genoß sie bei vielen Zeitgenossen keinen guten Ruf. Aufgrund ihres Selbstbewußtseins und ihrer politischen Ambitionen, vor allem aber wegen ihrer Liebesaffären und ihrem lockeren Lebenswandel sahen sie viele als femme fatale. - Eleonore wurde 1122 in die Regentenfamilie eines der bedeutendsten Herzogtümer Westeuropas hineingeboren. Ihr Großvater Wilhelm IX. übernahm 1086 die Regentschaft des Herzogtums und führte es zu ungeahnter Blüte. Er war es, der den aquitanischen Hof zum Zentrum der Dichtkunst und des Minnegesangs in Frankreich und darüber hinaus machte. Historikern gilt er als der erste Troubadour überhaupt. Wilhelm IX. war intelligent und in vielerlei Hinsicht begnadet und er hatte einen unstillbaren Durst nach Leidenschaft und Abenteuer. Seine Verse und Lieder waren erotisch, teilweise sogar blasphemisch. Und da sie nur seinen allzu leichten Lebenswandel wiedergaben, wundert es nicht, daß es sich Wilhelm IX. schnell mit der Kirche als der Wächterin von Moral und Anstand verscherzte. Seine zahlreichen Amouren hinderten Wilhelm IX. aber nicht daran, zum Wohle Aquitaniens eine Ehe einzugehen. Seine Wahl fiel 1088 auf Ermengard, die wunderschöne Tochter des Herzogs von Anjou. Doch nicht lange und bei Ermengard zeigten sich ernste Krankheitssymptome, die nach der Meinung heutiger Mediziner auf manisch-depressives Verhalten oder Schizophrenie hinweisen. Da keine Kinder aus der Ehe hervorgegangen waren, hatte es Wilhelm IX. unter diesen Umständen nicht schwer, die Ehe 1091 annullieren zu lassen. Er wandte sich dann 1094 der schönen Philippa zu, der Witwe des Königs von Aragon. Philippa war zugleich Erbin der Grafschaft Toulouse, die im Süden an Wilhelms Machtbereich angrenzte und für diesen einen beträchtlichen Gebietszuwachs bedeutete. Schon bald sollte es zum Streit über Philippas Erbe kommen, denn nach der Heirat Philippas mit dem König von Aragon im Jahr 1088 war ihr Vater auf Wallfahrt ins Heilige Land gegangen. Während seiner Abwesenheit setzte er in Toulouse seinen Bruder Raymond zum Regenten ein. Nachdem Philippas Vater dann fünf Jahre später im Ausland verstorben war, mißachtete Raymond Philippas Erbanspruch und erhob sich selbst zum Grafen von Toulouse. Philippa setzte jetzt, da sie Witwe war, alles daran, einen Bräutigam zu finden, der über genügend Macht verfügte, um ihren Anspruch in Toulouse durchzusetzen. So ging sie 1094 bereitwillig auf Wilhelms Werben ein. 1095 rief Papst Urban II. zum 1. Kreuzzug auf. Philippas Onkel folgte dem Ruf und zog mit einem Heer von 100.000 Mann nach Osten. Wilhelm IX. nutzte seine Chance und marschierte 1098 in Toulouse ein und ergriff im Namen seiner Frau Besitz von der Grafschaft. Dies brachte ihm nahezu die Exkommunikation des Papstes ein, denn es war Christen verboten, Ländereien oder Besitzungen von Kreuzfahrern an sich zu reißen, solange diese abwesend waren. 1099 brachte Philippa in Toulouse ihren ersten Sohn Wilhelm, den Vater Eleonores, zur Welt. Im gleichen Jahr erreichte die Nachricht Europa, daß Jerusalem von den Kreuzfahrern erobert worden war. Wilhelm IX. dachte nun selbst daran, das Kreuz zu nehmen und brach 1100 nach Kleinasien auf. Zuvor hat er jedoch die Grafschaft Toulouse an Philippas Cousin Bertrand verpfändet, um seinen Kreuzzug zu finanzieren. Philippa ließ er als Regentin in Poitiers zurück. Bevor Wilhelm aufbrach, überredete ihn Philippa noch dem begnadeten Prediger Robert d´Arbrissel ein Stück Land nördlich von Poitiers zu übereignen, wo dieser zu Ehren der Jungfrau Maria eine religiöse Gemeinschaft gründen konnte. So entstand in Fontevraud jenes Doppelkloster für Priester, Mönche, Laienbrüder und Nonnen, welches in Zukunft eng mit dem aquitanischen Herrscherhaus verbunden bleiben sollte. Auch Eleonore sollte später viel Zeit dort verbringen und dort schließlich auch ihre letzte Ruhestätte finden. Philippa war wie viele vornehme Damen von Robert d´Arbrissel begeistert. Er war Frauen gegenüber sehr offen und nannte sie zum Ärger seiner Kritiker das stärkere Geschlecht. Er hielt Frauen zudem für die geeigneteren Verwalter. So wundert es nicht, daß er in Fontevraud eine Äbtissin an die Spitze seines Doppelklosters stellte. Das war für die damalige Zeit revolutionär. Die Äbtissin war zugleich die Oberin der Ordensgemeinschaft und mußte eine adlige Witwe sein, um ein gewisses Prestige und eine gute Klosterverwaltung sicherzustellen. Kein Wunder, daß sich in der Folge der Abteigeschichte viele adlige Damen für Fontevraud begeisterten und dort ihre Witwenjahre oder ihren Lebensabend verbringen wollten. Zu den prominentesten Ordensfrauen in Fontevraud gehörte neben Wilhelms erster Ehefrau Ermengard in ihren letzten Lebensjahren auch seine zweite Ehefrau Philippa sowie die Herzogin Mathilde von Anjou, Schwiegertochter von König Heinrich I. von England. - Nachdem Wilhelm IX. wieder zurück in Aquitanien war, begann er, inspiriert von der Kultur des Orients und der erotischen Werke Ovids Gedichte zu schreiben. Elf dieser lyrischen Werke sind uns bis heute überliefert. Poitiers wurde einmal mehr zum Zentrum der Dichtkunst. Seine Familie wuchs und Philippa gebar ihm noch einen Sohn und fünf Töchter. - Nachdem Bertrand, dem Wilhelm IX. vor seinem Kreuzzug die Grafschaft Toulouse verpfändet hatte, selbst das Kreuzzugsfieber gepackt hatte und schließlich 1112 als König von Tripolis gestorben war, ergriff Wilhelm IX. gegen Bertrands jüngeren Bruder Alfons Jordan erneut Besitz von Toulouse. Bis 1123 sollte der Streit um Philippas Erbe währen, bevor Wilhelm IX. für immer auf seine Ansprüche auf Toulouse verzichten mußte. Die eigentliche Ursache für den endgültigen Verlust von Toulouse lag zweifellos in der Trennung Wilhelms von seiner Frau Philippa. Ab 1115 entwickelte der liebesdurstige Troubadour und Frauenheld nämlich eine Leidenschaft für die Ehefrau seines Vasallen Aimery I de Rochefoucauld, Viscount Châtellerault. Diese trug bezeichnender Weise den Namen Dangereuse (= die Gefährliche). Philippa dachte gar nicht daran, diese Affaire zu tolerieren und ersuchte den päpstlichen Legaten um Hilfe. Die folgende Exkommunikation verfehlte ihr Ziel, denn Wilhelm IX. dachte gar nicht daran, Dangereuse aufzugeben. Philippa resignierte und zog sich nach Fontevraud-l´Abbaye zurück, wo sie am 28. November 1118 aus ungeklärten Gründen starb. Nach Philippas Tod schaffte es Dangerens, Wilhelm IX. zu bewegen, ihre Tochter Aenor aus der Ehe mit dem Viscount Châtellerault mit seinem ältesten Sohn zu vermählen. Dieser war nicht erfreut über die erzwungene Ehe, hatte aber keine Möglichkeit sich ihr zu entziehen. 1121 wurde die Ehe geschlossen und entwickelte sich im Lauf der Zeit zu einer guten Beziehung. 1122 wurde beiden die erste Tochter, Eleonore, geboren. Eleonore folgten noch zwei weitere Kinder: Petronilla (geb.um 1125) und William Aigret (geb. um 1126/27). 1127 starb Herzog Wilhelm IX. noch immer unter dem Kirchenbann stehend und Eleonores Vater trat dessen Nachfolge an. Die Regierungszeit von Wilhelm X. war kurz und geprägt von Auseinandersetzungen mit seinen Vasallen und der Kirche. Er war anders als sein Vater kein Poet und Dichter, doch förderte er ebenso wie dieser die höfische Dichtung und den Minnegesang. Der aquitanische Hof blieb das Zentrum der Troubadoure aus aller Herren Länder. Wilhelm X. ließ seiner hochintelligenten und begabten Tochter Eleonore eine entsprechend gute Erziehung und Schulbildung zuteil werden. Damals wurde auch Eleonores lebenslange Liebe zu Musik und Literatur gelegt. 1130 war ein schicksalhaftes Jahr für Wilhelm X. und für Eleonore. Wilhelm X. unterstützte den Gegenpapst Anaklet gegen Papst Innozenz II, was zur Folge hatte, daß Innozenz Wilhelm exkommunizierte und Aquitanien mit dem Interdikt belegte, das heißt, es durften dort keine Messen gehalten und keine kirchlichen Handlungen vollzogen werden. Dem nicht genug starben im März Wilhelms Frau Aenor und sein Sohn William Aigret im herzoglichen Jagdschloß nahe La Rochelle. Eleonore war nun die Erbin des Hauses Aquitanien. Sie folgte in den nächsten Jahren ihrem Vater durch Aquitanien, der sie an den verschiedenen Residenzorten allmählich mit den Regierungsaufgaben vertraut machte. Eleonore hatte eine sehr enge und liebevolle Beziehung zu ihrem Vater und so traf sie dessen plötzlicher Tod am 9. April 1137 während einer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela umso härter. Auf dem Totenbett machte er sein Testament, nach dem Eleonore zur Erbin Aquitaniens eingesetzt wurde. Zu ihrem Treuhänder ernannte Wilhelm König Ludwig VI. von Frankreich. Ludwig VI. war der einzige Mann in Frankreich, der Eleonores Erbe sichern konnte. Wilhelm X. bat den König in seinem Testament, dieser möge doch seinen Sohn Ludwig mit Eleonore vermählen. Zugleich verfügte er jedoch, daß Aquitanien nicht in die Kronländer eingefügt werden solle, sondern allein bei den Erben Eleonores verbleiben solle. Mit dem Tod Wilhelms X. war Eleonore im Alter von nur fünfzehn Jahren Komteß von Poitou sowie Herzogin von Aquitanien und der Gascogne nach eigenem Recht. - König Ludwig VI. von Frankreich war nur zu bereit Eleonore als "Mündel" anzunehmen und sie mit seinem Sohn zu verheiraten. Eleonore und Ludwig waren Cousins 4. Grades in der Seitenlinie, was eigentlich eine Eheschließung ohne ausdrückliche Dispens seitens der Kirche unmöglich gemacht hätte. Diskussionen über die Blutsverwandtschaft scheint es aber nicht gegeben zu haben oder sie wurden entsprechend unterdrückt, denn von einer päpstlichen Dispens ist bis heute nichts bekannt. So heiratete Eleonore am 25. Juli 1137 in der Kathedrale von Bordeaux den künftigen König Ludwig VII. Beide waren etwa im gleichen Alter, hatten aber so gut wie nichts gemeinsam. Eleonore war willensstark, lebhaft und auf der Suche nach geistigen Herausforderungen. Sie liebte Musik, Tanz und Literatur und bewegte sich in der Öffentlichkeit routiniert und sicher. Ludwig dagegen war still und in sich gekehrt, tiefreligiös und wurde von vielen Zeitgenossen schon fast als Heiliger gesehen. Eigentlich war er bis zum Tod seines älteren Bruders Philipp für den kirchlichen Stand vorgesehen und wuchs den größten Teil seiner Kindheit im Kloster von St. Denis bei Paris auf, wo Abt Suger seine Erziehung und religiösen Studien beaufsichtigte. Unterschiedlicher hätten die beiden Neuvermählten also nicht sein können. Bereits einige Tage nach der Hochzeit verstarb Eleonores Schwiegervater und ihr Mann war König von Frankreich. Eleonore schickte sich an in die Rolle als Königin hineinzuwachsen. Ihr Mann respektierte ihre Intelligenz und suchte in staatsmännischen Angelegenheiten sehr zum Ärger seiner geistlichen Ratgeber, die ihn zu kontrollieren suchten, auch den Rat seiner Frau. Als Königin besuchte Eleonore regelmäßig Aquitanien, um sich der Treue ihrer Vasallen zu versichern. In Paris selbst machte sie sich daran den für sie äußerst spartanischen Königshof mit den Annehmlichkeiten des aquitanischen Hofes vertraut zu machen. Wie schon ihre Vorfahren förderte Eleonore nun auch in Paris die Dicht- und Liedkunst und schon bald tummelten sich in Paris namhafte Troubadoure aus ganz Europa. Auch die höfische Mode änderte sich unter Eleonore, sehr zum Ärger vieler Geistlicher allen voran Bernhard von Clairvaux. Dieser war bekannt für seinen extrem asketischen Lebensstil und für seine Angriffe auf das, was er einen lasterhaften Lebenswandel nannte: Liebe zu Schmuck, Kosmetik, schöner Kleidung, Musik und Dichtkunst. All das sah er in Eleonore vereinigt, als er sie das erste Mal 1140 in Sens traf, wo sie und Ludwig an seiner Disputation mit dem berühmten Peter Abélard teilnahmen. Bernhard war von der Extravaganz Eleonores schockiert, was man in seiner noch erhaltenen Korrespondenz nachlesen kann. - Eleonore zog sich aber nicht allein den Zorn des großen Bernhard von Clairvaux zu. Auch mit ihrer Schwiegermutter Adelheid geriet sie schnell aneinander. Die Gründe hierfür lassen sich nicht eindeutig benennen - vielleicht weil Adelheid wie Bernhard Eleonores Lebensstil nicht teilte oder weil Eleonore sich zwischen sie und ihren Sohn stellte. Schließlich verließ die Königinmutter den Pariser Hof, um ihre letzten Jahre in Compiègne zu verbringen. Da Ludwig öffentliche Auftritte nicht mochte, sah man in der Öffentlichkeit meist ihre Schwester Petronilla an Eleonores Seite. Die beiden verstanden sich sehr gut und waren einander zugetan. Petronilla sollte bald schon den ersten großen Konflikt im gemeinsamen Leben von Eleonore und Ludwig auslösen. Petronilla begehrte den Grafen Raoul von Vermandois. Dieser war ein Cousin von Ludwig jedoch mit Eleonore, der Tochter des Grafen Theobald von Champagne verheiratet. Theobald war lange ein Gegner von Raoul und nur aufgrund dessen Heirat mit seiner Tochter verhielt er sich zur Zeit still. Ludwig und vor allem Eleonore mochten Theobald nicht. Eleonore förderte die Liebesbeziehung ihrer Schwester zu Raoul. Eleonore empfahl ihm auch in Rom die Annullierung seiner Ehe anzustrengen. Unterdessen wurde 1141 in Bourges, einer bedeutenden Grenzstadt zwischen Frankreich und Poitou, der Bischofsstuhl vakant. Bourges war eine beliebte Residenz des Königs und seiner Frau, wo sie die Vasallen ihrer beider Länder empfingen. In Bourges wollte nun Ludwig seinen Kanzler zum Bischof machen, wogegen sich aber das Domkapitel wehrte. Es wählte ohne Wissen des Königs einen eigenen Kandidaten, Peter de la Châtre. Dieser weilte zur Zeit der Wahl in Rom und wurde dort sofort von Papst Innozenz II. als Bischof von Bourges bestätigt und geweiht. Ludwig tobte in seiner Wut und verbot Peter die Einreise nach Frankreich. Daraufhin belegte der Papst die königliche Familie von Frankreich mit dem Interdikt, was dem Ausschluß von jeglichem Sakramentsempfang gleichkam, ein schwerer Schlag für den frommen Ludwig. Sodann erhielt Peter de la Châtre auch noch von Graf Theobald politisches Asyl. Theobalds Schwiegersohn Raoul sah Ludwigs Zorn auf Theobald zurollen und wollte noch rechtzeitig die Chance nutzen, seine Frau loszuwerden und die Schwester der Königin zu heiraten. Daher mühte er sich um eine schnelle Annullierung seiner Ehe. Ludwig suchte und fand drei Bischöfe, welche den Ehenichtigkeitsprozeß leiten sollten. Zum Ende des Jahres 1141 erklärten die drei die Ehe von Raoul und Eleonore erwartungsgemäß für ungültig und zu Beginn des Jahres 1142 assistierten sie bei der feierlichen Eheschließung von Raoul und Petronilla. Graf Theobald wollte diese Zurücksetzung nicht hinnehmen und wandte sich an den Papst nach Rom. Kein geringerer als Bernhard von Clairvaux unterstützte ihn in seinem Anliegen. Im Juni 1142 berief Papst Innozenz II. eine Synode nach Lagny-sur-Marne in der Champagne ein. Dort wurden auf Geheiß des päpstlichen Legaten jene drei Bischöfe ihrer Ämter enthoben, welche die Ehe zwischen Raoul und Petronilla abgesegnet hatten. Zudem wurde Raoul unter Androhung der Exkommunikation vom päpstlichen Legaten aufgefordert zu seiner ersten Frau zurückzukehren. Petronilla dagegen wurde sofort exkommuniziert und ihre Ländereien unter ein Interdikt gestellt. Diese römische Machtdemonstration war nun dem frommen König Ludwig zuviel. Er war dem Papst noch immer wegen des gegen ihn verhängten Interdikts böse. Zudem grollte er auch noch Graf Theobald wegen des Asyls, das dieser Peter de la Châtre gewährte. So sprang Ludwig Raoul zur Seite und begann einen Krieg gegen Theobald. Über mehrere Monate hinweg suchte Ludwigs Soldateska die Grafschaft Theobalds heim und verbreitete dort Angst und Schrecken. Theobald jedoch blieb hart, woraufhin Ludwig im Januar 1143 mit einer Armee nach Vitry-sur-Marne zog. Diese Stadt umgab eine der Burgen von Theobald. Bei der Belagerung wurde die Stadt in Brand gesetzt und viele Menschen wurden ein Opfer der Flammen. Allein in der Kathedrale der Stadt sollen etwa 1500 Menschen verbrannt sein. Nach historischen Quellen soll Ludwig von einem Hügel vor der Stadt aus das Inferno gesehen, die Schreie der Sterbenden gehört und ihr verbrennendes Fleisch gerochen haben. Daraufhin sei er zusammengebrochen und soll volle zwei Tage in Agonie zugebracht haben. Danach war er ein anderer Mensch. Die Schuld lastete schwer auf seiner Seele und suchte ihn in Alpträumen heim. Dennoch wollte er in der Ehesache seiner Schwägerin Rom und Theobald nicht nachgeben. Wieder trat Bernhard von Clairvaux auf den Plan und wetterte gegen Ludwig, den er von teuflischen Ratgebern in die Irre geleitet sah. So erreichte er es, daß Ludwig schließlich wieder mehr auf Abt Suger und andere kirchlichen Ratgeber hörte. Diese verstärkten nun ihren Einfluß auf den König. Leider erfahren wir aus den historischen Quellen nichts darüber, wie Eleonore all diese Ereignisse aufgenommen hat. - Nachdem Papst Innozenz II. im September 1143 gestorben war, bewegte Bernhard von Clairvaux dessen Nachfolger Coelestin II. dazu, das Interdikt gegen Ludwig und seinen Haushalt aufzuheben. Dies erleichterte die Seele des Königs jedoch nur unmerklich. Zu tief hat sich die Schuld in sein Herz gefressen. Kaum daß der Krieg mit Theobald vorbei und das Interdikt gegen Ludwig aufgehoben war, begannen auch schon die ersten offiziellen Zweifel an der Ehe von Ludwig und Eleonore. Warum sollte Ludwig die erste Ehe seines Cousins Raoul wegen Blutsverwandtschaft für nichtig erklären lassen, wo er doch selbst verwandtschaftlich mit Eleonore verbunden war? Sollte die Kinderlosigkeit des Königspaares etwa damit zusammenhängen? Diese in der Öffentlichkeit vorgebrachten Fragen belasteten Eleonore doch sehr. Im Rahmen der Weihe der neuen Abteikirche von St. Denis am 10. Juni 1144 traf Eleonore deshalb mit Bernhard von Clairvaux zusammen. Sie suchte Rat in der Ehesache ihrer Schwester und Trost in ihrer Not, noch immer keinen Thronerben geboren zu haben. Bernhard machte ihr klar, daß sie sich von ihrem eitlen und luxuriösen Lebenswandel und von der Politik verabschieden und in ihre Rolle als gehorsame Ehefrau fügen müsse, wolle sie vor Gott ein wohlgefälliges Leben führen. Auch solle sie ihren Mann zu einer Versöhnung mit der Kirche ermutigen, dann werde Gott schon das seine tun. Auf Vermittlung Bernhards schloß Ludwig schließlich wenig später Frieden mit Graf Theobald. Zudem erkannte er Peter de la Châtre als Bischof von Bourges an. Rom billigte daraufhin im Gegenzug Raoul und Petronillas Ehe. Ob Eleonore sich nun an Bernhards Ratschläge gehalten hat oder nicht, sie gebar 1145 schließlich eine Tochter, die auf den Namen Maria getauft wurde. Auch wenn Maria nach geltendem Recht nicht den Thron besteigen konnte, so weckte doch ihre Geburt in Ludwig und Eleonore die Hoffnung auf einen zukünftigen Thronfolger. - Im Februar 1145 wurde ein neuer Papst gewählt Eugen III. Dieser erhielt kurz nach seiner Wahl die Nachricht, daß der Kreuzfahrerstaat Edessa in die Hände der Muslime gefallen ist. Die Kreuzfahrer suchen nun die Unterstützung des Abendlandes, um weitere Verluste zu verhindern. Sie wollen vom Papst den Aufruf zu einem erneuten Kreuzzug erlangen. Da der Papst politisch eingeschränkt ist, dem Anliegen nachzukommen, wendet er sich nun seinerseits an Ludwig. In einem Schreiben fordert er die Franzosen zum Kreuzzug auf und stellt die Vergebung der Sünden in Aussicht. Ludwig reagiert sofort, hofft er doch mit einem solchen Unternehmen endgültig die Schuld von Vitry abzuwaschen. Auf einem Hoftag in Bourges am Weihnachtsfest 1145 kündigt er den Kreuzzug an. Die französischen Feudalherren sind allerdings nicht sehr begeistert von dem Vorhaben, wissen sie noch gut um die Kosten und Verluste des letzten Kreuzzuges. So wurde die endgültige Entscheidung über einen erneuten Kreuzzug auf den nächsten Hoftag verschoben, der auf das Osterfest 1146 in Vézélay festgesetzt wurde. Ludwig setzte wieder einmal den großen Bernhard von Clairvaux ein, der denn auch bis zum nächsten Jahr erfolgreich für den Kreuzzug wirbt. Abt Suger, inzwischen wieder Hauptratgeber von Ludwig war von dessen Plänen ebenfalls nicht begeistert, wollte er doch den König nicht aus Frankreich weggehen lassen, solange noch kein Thronerbe geboren worden war. Im Falle, daß Ludwig nicht zurückkommen sollte, bräche ein Kampf um Frankreichs Krone aus. Doch Suger stieß bei Ludwig auf taube Ohren. Eleonore machte nun Ludwig aber klar, daß sie ihn nicht allein ins heilige Land gehen lasse. Sie werde ebenfalls das Kreuz nehmen. Eleonore sah im Kreuzzug zum einen die Chance dem langweiligen Hofleben zu entkommen, zum anderen bot ihr der Kreuzzug die Möglichkeit einer Wallfahrt nach Jerusalem und eines Besuchs bei ihrem Onkel Raimund in Antiochia. Ludwig konnte seiner schönen Frau nichts abschlagen und willigt schließlich in ihren Wunsch ein. Zudem brauchte er auch die von Eleonore mobilisierten Truppen und Finanzhilfen aus Aquitanien und Poitou, was die Einwilligung wohl ebenfalls erleichterte. So begleiteten schließlich neben Eleonore noch an die 300 weitere Edelfrauen den Troß der Kreuzfahrer. Unabhängig von den Wünschen des Papstes wirbt Bernhard von Clairvaux auch in Deutschland für einen Kreuzzug. In Speyer gewinnt er König Konrad III. für das Kreuz sowie Friedrich von Schwaben, den späteren Kaiser Barbarossa. Damit sind Deutsche und Franzosen auf dem Weg ins Heilige Land. Ihr zeitlich parallel verlaufendes Abenteuer sollte zum sogenannten 2. Kreuzzug werden. Im Juni 1147 brechen die Franzosen auf und erreichen Anfang Oktober Konstantinopel. Von dort geht es weiter nach Kleinasien. Im Februar erreicht Ludwig und sein Gefolge Attalia. Von dort sticht er zusammen mit seinem Haushalt und den Adligen unter den Kreuzfahrern nach Antiochia in See. Der Rest des Heeres muß sich auf dem Landweg nach Antiochia durchschlagen. - In Antiochia kommt es dann zu einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Ludwig und Eleonore. Zunächst werden beide von Eleonores Onkel Raimund freundschaftlich und herzlich begrüßt. Sie genießen seine Gastfreundschaft und erholen sich von den Strapazen der bisherigen Reise. Schon bald kursieren Gerüchte in der Stadt, Raimund gewähre seiner schönen Nichte mehr als nur Gastfreundschaft. Gerüchte, die dem eifersüchtigen Ludwig zu Ohren kamen und nicht gerade erfreuten, betete er doch Eleonore geradezu an. Es lag wohl auch an dieser angeblichen Liaison zwischen Eleonore und Raimund, daß es schon bald zwischen diesem und Ludwig zum Eklat kommen sollte. Raimund befürchtete zurecht einen Angriff der Muslime auf Antiochia und wollte Ludwig deshalb für einen Angriff auf Aleppo gewinnen, um die Gefahr zu bannen. Aleppo strebte nämlich zusammen mit Damaskus ein syrisches Großreich an, was über kurz oder lang zur Bedrohung für die Kreuzfahrerstaaten werden würde. Ludwig verweigerte Raimund seine Hilfe mit der Begründung erst nach Jerusalem zu wollen, um dort an den heiligen Stätten seinen Verpflichtungen als Pilger nachzukommen. Eleonore ergriff daraufhin sehr energisch für ihren Onkel Partei. Sie kündigte Ludwig ihren Verbleib in Antiochia an und drohte ihm sogar mit der Annullierung ihrer Ehe. Diese Reaktion Eleonores war nun wiederum für Ludwig ein Beweis für eine tiefergehende Beziehung zwischen ihr und Raimund. Ludwig handelte und verließ eilends Antiochia, seine widerwillig folgende Frau im Schlepptau. Eleonore sollte ihren Onkel nie mehr wiedersehen, fiel er doch schon wenige Monate später im Kampf gegen die Muslime. Der Zwischenfall in Antiochia schadete einmal mehr dem Ruf von Eleonore und läutete den Anfang vom Ende ihrer Ehe mit Ludwig ein. Der weitere Verlauf des Kreuzzugs war enttäuschend. Die Uneinigkeit unter den Führern der Kreuzfahrer lähmte ihre Aktionen und schaffte Feindseligkeiten. Im Frühsommer 1149 tritt König Ludwig mit seinem Gefolge die Heimreise an. Unterwegs machten er und Eleonore in Rom Station, wo der Papst die beiden zur Versöhnung und zur Erneuerung ihrer Liebe zu bewegen suchte. Die Frucht dieser Bemühungen war 1150 die Geburt einer Tochter, Alix. Ludwig war enttäuscht, hatte er doch wieder nicht den ersehnten Thronfolger erhalten. Allmählich gab er Bernhard von Clairvaux und anderen Recht, daß seine Ehe mit Eleonore unter keinem guten Stern stand. Trotz des Aufenthalts in Rom lebten sich die beiden auseinander. Nachdem Eleonore erneut um die Annullierung ihrer Ehe bat, gab Ludwig schließlich nach und so wurden beide schließlich am 21. März 1152 mit päpstlicher Erlaubnis offiziell geschieden. Der Chronist Wilhelm von Tyrus schrieb zu dieser Sache lakonisch: "Ludwig ließ sich der Kränkungen wegen, die er von seiner Gemahlin während seiner Reise erfahren hatte, in Gegenwart der Bischöfe seines Königreiches unter dem Vorwand seiner zu nahen Verwandtschaft, feierlich scheiden. Der Herr Herzog Heinrich von der Normandie und Graf von Anjou heiratete sie kurz darauf." - Diese zweite Ehe Eleonores mit Heinrich von Anjou sorgte damals für große Aufregung und stellte einen handfesten Skandal dar. Eleonore heiratete Heinrich nämlich nur zwei Monate nach der Scheidung von Ludwig, woraus viele Zeitgenossen nicht zu Unrecht schlossen, daß Eleonore schon länger ein Verhältnis mit den Grafen von Anjou unterhielt und nur deshalb so energisch die Annullierung ihrer ersten Ehe betrieben hatte. Allerdings darf man nicht übersehen, daß zur gleichen Zeit zahlreiche Barone des Landes und auch Bernhard von Clairvaux König Ludwig zu einer Scheidung von Eleonore drängten, damit er eine weniger skandalumwitterte Frau heiraten könne, die ihm zudem den erwarteten Thronerben schenkt. Nur Abt Suger versuchte die Ehe zwischen Eleonore und Ludwig zu retten, allerdings einzig wegen deren großen Ländereien, die mit einer Scheidung für Frankreich verloren waren. Mit Sugers Tod 1151 war der Weg für die Ehescheidung endgültig frei. Eleonore unterhielt zu diesem Zeitpunkt bereits eine enge Beziehung zu Heinrich. Böse Zungen behaupteten, daß sie zuvor schon ein Verhältnis zu dessen Vater unterhalten habe. Dazu sorgte der große Altersunterschied zwischen Heinrich von Anjou und Eleonore für Gesprächsstoff. Eleonore war fast 11 Jahre älter als Heinrich. Wie dem auch sei, am 21. März 1152 wurde Eleonores erste Ehe geschieden und schon am 18. Mai 1152 heiratete sie Heinrich in der Kathedrale von Poitiers. Den beiden wurde nur fünf Monate nach dieser hastig organisierten Trauung ein Sohn, Wilhelm, geschenkt. - Mit der Heirat von Eleonore und Heinrich sollte in England die Dynastie der Angevinen beginnen. Heinrichs Vater war nämlich mit Matilda verheiratet, der Tochter von König Heinrich I. von England. Da er keine männlichen Erben hatte, war Matilda die rechtmäßige Thronfolgerin. Dies ließ sich König Heinrich I. denn auch von seinen englischen Baronen bestätigen. Doch kaum daß Heinrich I. 1135 gestorben war, da vergaßen die Barone ihre Übereinkunft und ernannten Matildas Cousin Stephan von Blois zum neuen König. Daraufhin begann Matilda um ihr Erbe zu kämpfen. 1139 unternahm sie eine militärische Invasion Englands. Damit begann ein Erbfolgekrieg, der sich bis 1153 hinziehen sollte. Matilda hatte drei Söhne, deren ältester Heinrich von Anjou war. Für ihn wollte sie Englands Krone erringen. Heinrich war schön, selbstbewußt und sehr intelligent. In seiner Jugend wurde er von einer stattlichen Anzahl großer und bedeutender Lehrer unterrichtet. Heinrich war belesen und beherrschte Latein. Er hatte einen ruhelosen Geist und starken Willen. Er liebte, Literatur, Kunst, den Sport und die Jagd. Daneben hatte er einen Ruf als Frauenheld. Heinrich traf Eleonore zum ersten Mal 1151 in Paris, als er sich dort zusammen mit seinem Vater von Ludwig die Bestätigung als Herzöge der Normandie holen wollte. Sogleich warf Heinrich ein Auge auf die attraktive Königin und diese auf ihn. Sein Lebensstil paßte viel eher zu ihr, als der Ludwigs. Deshalb trieb sie die Annullierung ihrer Ehe voran und besprach bald eine neue Heirat mit Heinrich. Die machte für Eleonore durchaus Sinn. Denn wenn sie erst einmal geschieden war, wäre sie die begehrteste Erbin der damals bekannten Welt und würde einen Beschützer brauchen. Und den wollte sie sich selbst aussuchen und er sollte zu ihr passen. Am 7. September 1151 starb Heinrichs Vater und er wurde sein Nachfolger als Herzog von Anjou, Maine und der Normandie. Damit gehörte ihm ein gutes Drittel dessen, was das moderne Frankreich ausmacht. Als Eleonore frei war, strebte Heinrich eine rasche Ehe mit ihr an. Protokollarisch hätten sie als größte Vasallen König Ludwigs dessen Einwilligung dafür einholen müssen. Eleonore war zudem ohne männlichen Protektor des Königs Mündel. Doch die beiden wußten, daß ihnen Ludwig nie seine Einwilligung zur Ehe geben würde, zumal er Heinrichs Macht schon jetzt fürchtete. Eine Hochzeit mit Eleonore machte ihn zum Herrscher über ein Gebiet, das der Hälfte des heutigen Frankreich entspricht. So heirateten Eleonore und Heinrich ohne Ludwigs Wissen am 18. Mai 1152 in Poitiers. Eleonore wußte, daß sie mit dieser Heirat nichts Schlechteres tun konnte, um ihren früheren Ehemann zu kränken und gegen sich aufzubringen. Nur wenige Wochen nach ihrer Heirat mit Heinrich besuchte Eleonore verschiedene Klöster in ihren Ländern, um sie mit Schenkungen auszustatten. Im Juni unternahm sie schließlich eine Wallfahrt in ihr geliebtes Kloster Fontevraud, wo sie von der Äbtissin Isabella, der Tante ihres Mannes, herzlich empfangen wurde. Sie war glücklich in ihrer Ehe mit Heinrich, auch wenn er sie in politischen Angelegenheiten selten um Rat fragte und sie den notorischen Frauenhelden mit vielen anderen Frauen teilen mußte. - Eigentlich wollte Heinrich nun endlich sein Erbe in England einholen und mit einer Invasion beginnen. Doch Gerüchte über seine Heirat mit Eleonore erreichten bald König Ludwig. Dieser begann tief gekrängt einen Krieg gegen seinen Rivalen. Heinrich war jedoch siegreich und der an Fieber erkrankte Ludwig mußte klein beigeben. Eleonore gebar unterdessen ihren ersten Sohn William. Im Herbst 1152 rüstete Heinrich endlich zum Kampf gegen Stephan. Im Dezember traf er sich mit seiner Mutter Matilda um letzte Dinge in Sachen Invasion zu besprechen und im Januar 1153 brach er schließlich mit seiner Flotte von Barfleur in Richtung England auf. Die kriegsmüden englischen Barone und Erzbischof Theobald von Canterbury drängten König Stephan dazu sich mit Heinrich friedlich zu einigen. Das meinte, daß Stephan anstatt seiner eigenen Söhne Heinrich von Anjou zu seinem Erben einsetzen sollte. Stephans Sohn Eustachius wollte dagegen seine Rechte gegen Heinrich verteidigen, weshalb Stephan zunächst Verhandlungen ablehnte. Am 17. August 1153 stirbt Eustachius überraschend in Bury St. Edmund. Sein Tod vereinfachte die weitere politische Entwicklung. Durch den Tod seines Sohnes konnte Stephan schließlich zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts bewegt werden. Im Vertrag von Westminster am Weihnachtsfest 1153 adoptierte Stephan Heinrich als seinen Sohn und setzte ihn zum Erben der Krone ein. Damit war der Bürgerkrieg zu Ende. Heinrich kehrte im Frühjahr nach Anjou zurück, wo er von seiner Mutter und Eleonore begeistert empfangen wurde. Im Juni desselben Jahres teilte ihm Eleonore freudig mit, daß sie wieder schwanger sei und ihr zweites Kind erwarte. Die Freude über die Schwangerschaft wurde dadurch getrübt, daß Heinrich im September schwer erkrankte und man schon mit seinem Tod rechnete. Anfang Oktober erholte er sich jedoch wieder und führte schon bald eine militärische Kampagne gegen aufrührerische Vasallen in der Normandie. Eleonore blieb indessen in Rouen unter der Obhut ihrer Schwiegermutter. Dort erhielt sie am 26. Oktober 1154 als erste die bedeutungsschwere Nachricht von Erzbischof Theobald von Canterbury, daß König Stephan am frühen Morgen des vergangenen Tages verstorben sei. Eleonore war nun Königin von England. Ihr Mann erfuhr dagegen erst eine gute Woche später die Nachricht seiner neuen Würde, als er gerade eine Burg der Rebellen belagerte. Schnell machte man sich an die Abreise nach England, doch die Überfahrt wurde durch heftige Stürme vereitelt, so daß Eleonore und Heinrich erst am 7. Dezember 1154 in See stechen konnten. Sie erreichten am folgenden Tag Southampton und zogen von dort nach Winchester, wo sie von den englischen Baronen und zahlreichen Bischöfen begrüßt wurden. Von dort ging es nach London, wo Eleonore und Heinrich am 19. Dezember 1154 von Erzbischof Theobald gesalbt und gekrönt wurden. Die lange Herrschaft der Angeviner hatte begonnen. Eleonores Mann machte sich daran, eine starke königliche Herrschaft aufzubauen und dem Land eine zentrale Verwaltung zu geben. Unter Heinrich II. wurde London allmählich zur einzigen Hauptstadt des Reiches und an seinem Rand entwickelte sich Westminster zum königlichen Regierungs-, Finanz- und Verwaltungszentrum. Heinrich war ein starker Herrscher und legte die Grundlagen für den königlichen Supremat gegenüber den Rechten und Vollmachten der Barone und Vasallen. In Notzeiten zeigte er sich freigiebig den Notleidenden gegenüber, was ihm das Wohlwollen seines Volkes einbrachte. Auch wenn Heinrich nicht die Frömmigkeit wie Ludwig von Frankreich an den Tag legte und vor allem wegen rechtlichen Fragen oft in Streit mit der Kirche geriet, so bedachten er und Eleonore doch zahlreiche Klöster mit Benefizien. Beide gründeten zahlreiche Lepra-Hospitäler und stifteten großartige Kirchen vor allem in Aquitanien, Anjou und Poitiers. Vor allem die Abteien von Fontrevaud und Reading, wo des Königs Großvater Heinrich I. begraben war, erfreuten sich häufiger königlicher Besuche und Geschenke. Eleonore überhäufte Fontevraud geradezu mit Geschenken. In den ersten beiden Jahren als Königin regierte Eleonore England quasi allein, da Heinrich oft auf dem Kontinent unterwegs war. Auch wenn Eleonore ihren Mann mit etlichen Mätressen teilen mußte, so war sie doch in den ersten 15 Jahren ihrer Ehe sehr glücklich. Acht Kinder hatten die beiden, von denen sieben das Erwachsenenalter erreichten. Der Erstgeborene war Wilhelm (1153-1156), der schon als Kleinkind verstarb. Nach ihm folgte Heinrich (1155-1183), Herzog der Normandie und eigentlicher Thronfolger. Leider verstarb er noch vor seinem Vater. Dann folgte eine Tochter Matilda (1156-1189), die den Namen ihrer Großmutter erhielt. Sie war die spätere Frau Herzogs Heinrich des Löwen von Sachsen und Bayern. Das nächste Kind war wieder ein Sohn: Richard (1157-1199) auch unter dem Namen Richard Löwenherz bekannt. Er regierte nach dem Tod seines Vaters als Richard I. England. Er nahm am 3. Kreuzzug teil und geriet zeitweilig in österreichische Gefangenschaft. Das nächste Kind war wieder ein Sohn: Gottfried (1158-1186), Herzog der Bretagne. Dann folgten zwei Töchter: Eleanor (1161-1214), die Frau König Alfons VIII. von Kastilien und Johanna (1165-1199), nacheinander Ehefrau von König Wilhelm II. von Sizilien und von Raimund, Graf von Toulouse. Das Nesthäkchen war schließlich wieder ein Sohn: Johann (1166-1216), der später als Nachfolger seines Bruders Richard König wurde. Soweit es die Staatsgeschäfte zuließen, verbrachten Heinrich und Eleonore viel Zeit miteinander und mit den Kindern. Oft waren die Eheleute miteinander in ihren Herrschaftsgebieten diesseits und jenseits des Ärmelkanals unterwegs, um sich der Loyalität ihrer Vasallen zu versichern. Die erste größere Ehekrise entstand, als Heinrich im Unterschied zu bisher eine öffentliche Liebesbeziehung zu Rosamund Clifford, der Tochter eines Ritters unterhielt. Böse Zungen behaupten, daß Eleonore schließlich für deren Tod 1177 verantwortlich sein soll. Doch dafür gibt es keinerlei Beweise. Jedenfalls lebten sich Eleonore und Heinrich nach 1170 zusehends auseinander. Beide einte aber noch immer die Liebe zu Literatur, Dichtung und Musik. So war der Hof der beiden ein Zentrum der schönen Künste. Vor allem die Artussage erlangte damals dank Eleonore weite Verbreitung über England hinaus. - Nur ein Jahr nach der Thronbesteigung Heinrichs und Eleonores begann eine Freundschaft zwischen dem König und einem jungen vielversprechenden Geistlichen, die in einer Katastrophe enden sollte. Erzbischof Theobald von Canterbury empfahl Heinrich Thomas Becket als Kandidaten für das Amt des Kanzlers. Der König und Becket verstanden sich glänzend und Becket wurde 1155 Kanzler. Eleonore sah diese Freundschaft wohl eher unter dem Gesichtspunkt, daß sie in politischen Fragen wieder ins zweite Glied zurücktreten mußte. War Heinrich nach 1157 außer Landes, dann war es jetzt Becket, der des Königs Interessen in England vertrat und nicht mehr wie noch zu Beginn ihrer Regentschaft Eleonore. Zeitgenossen beschrieben das Verhältnis zwischen Becket und dem König wie zwischen dem biblischen Josef und dem ägyptischen Pharao. Becket hielt groß Hof in London und der König konnte ihm nichts ausschlagen. Der König und sein Kanzler verbrachten mitunter mehrere Tage zusammen beim Feiern, Jagen, Diskutieren und bei geistreicher Konversation. Der erste große gemeinsame Coup von König und Kanzler war im Juni 1158 die Arrangierung einer Heirat zwischen der eben erst geborenen Tochter König Ludwigs VII. von Frankreich und dessen zweiter Ehefrau Konstanze von Kastilien mit dem englischen Thronfolger Heinrich. Auch nach seiner Scheidung von Eleonore 1152 war für Frankreichs König kein männlicher Thronfolger in Aussicht. Heinrich II. verfolgte mit der Ehe zwischen Marguerite und seinem Sohn Heinrich politische Ziele. Sollte Ludwig VII. ohne männlichen Nachkommen sterben, würde er salisches Erbrecht hin oder her das Erbe seiner Schwiegertochter in sein Herrschaftsgebiet einverleiben, dachte er jedenfalls. Im August trafen sich Heinrich II. und Ludwig VII. an der Grenze zwischen Frankreich und der Normandie, wo der Ehevertrag endgültig geschlossen wurde. Eine bedeutende Bedingung des Vertrages war, daß nachdem Marguerite in die Obhut Heinrichs gegeben wäre, sie auf keinen Fall von Eleonore erzogen werden dürfe. Ludwig VII. wollte seine Tochter einfach nicht seiner Exfrau überlassen. Schon bald wurde der Vertrag aber auf eine harte Probe gestellt, als nämlich Heinrich 1159 im Namen Eleonores Besitzansprüche auf die Grafschaft Toulouse anmeldete. König, Königin und Kanzler zogen nach Frankreich, um Toulouse in ihre Hände zu bekommen. Toulouse war nun aber in Besitz von Raimund V., Graf von Toulouse, Schwager König Ludwig VII. von Frankreich. Dieser zog selbst mit stattlichen Truppen nach Toulouse, um es für seine Familie zu bewahren. Heinrich II. war in einer Zwickmühle und vor allem brauchte er mehr Truppen und dazu mehr Geld. Eleonore reiste also nach England, um dort das königliche Gold zu holen, damit Heinrich eine Armee aufstellen konnte. Nachdem sie wieder in England war, genoß sie es während der nächsten neun Monate dort für ihren Mann die Regentschaft zu übernehmen. Sie wußte sehr wohl darum, daß es nur so lange sein sollte, bis Thomas Becket wieder nach England zurückkehren würde. In Frankreich starb unterdessen Ludwigs Frau im Kindbett. Ludwig wieder nur um eine Tochter reicher arrangierte daraufhin eine sofortige Ehe mit Adela, der Schwester seiner zukünftigen Schwiegersöhne Graf Heinrich von der Champagne und Graf Theobald von Blois. Diese sollten die Töchter Ludwigs aus seiner ersten Ehe mit Eleonore heiraten. Beide Grafen waren gegen Heinrich II. eingenommen. Und dieser wußte, daß er nun seinen Plan Frankreich in sein Imperium einzugliedern aufgeben mußte, denn die beiden genannten Grafen würden alles drangeben, dies zu verhindern, hatten ihre Frauen doch als ältere Töchter Ludwigs VII. die besseren Ansprüche. Auch Toulouse war militärisch nicht mehr zu gewinnen. Wenigstens erreichte Heinrich 1160 eine päpstliche Dispens für die Ehe seines erst fünfjährigen Sohnes und der erst dreijährigen Marguerite, war die Ehe Minderjähriger doch von der Kirche verboten. Papst Alexander III. brauchte jedoch angesichts des bevorstehenden Schismas Heinrichs Unterstützung und dieser nutzte seine Chance. Die Dispens wurde gewährt und die beiden Kinder in Rouen in Anwesenheit zweier päpstlicher Legaten getraut. Sogleich zog Heinrich die im Heiratsvertrag versprochenen normannischen Gebiete des Vexin als Mitgift seiner Schwiegertochter ein und befestigte die Grenzburgen zwischen der Normandie und Frankreich, um Ludwig von Repressalien abzuhalten. Mit Marguerite als Pfand in der Hand hatten seine militärischen Bemühungen wenigstens einen kleinen Erfolg eingebracht. Zufrieden ließ Heinrich Eleonore und seine Kinder aus England kommen, um mit ihnen in Le-Mans das Weihnachtsfest zu feiern. Im April 1161 verstarb dann Theobald von Canterbury und Heinrich II. suchte nach einem geeigneten Nachfolger. Natürlich dachte er an Thomas Becket. Doch Heinrichs Mutter und der geachtete Bischof von Hereford hielten Becket für zu weltlich für solch einen Posten. Da Heinrich wieder einmal mit Kriegsvorbereitungen gegen Ludwig beschäftigt war, blieb der Bischofsstuhl erst einmal vakant. Dies hatte den Vorteil, daß die Einkünfte des Bistums der Krone zufielen. Im Lauf des Jahres 1161 veranlaßte Heinrich II. daß sein Sohn Heinrich dem Haushalt von Thomas Becket unterstellt wurde. Dieser sollte mit der formellen Ausbildung des Jungen beginnen. Eleonore gab ihren Ältesten nur ungern weg noch dazu in die Hände Beckets. Heinrich II. tat dies auch, um Becket dazu zu bewegen, Erzbischof von Canterbury zu werden. Becket war wohl geschockt von des Königs Anliegen, denn er wußte um dessen Politik, die Rechte und den Einfluß der Kirche zurückzudrängen. Als Erzbischof wäre er hin und her gerissen zwischen der Loyalität zur Krone und der Kirche. Becket warnte den König davor, daß ihre Freundschaft darunter leiden würde, doch es half nichts. 1162 sollte zum Schicksalsjahr werden für den König und seinen Kanzler. Am 2. Mai 1162 wurde Becket gemäß dem Wunsch des Königs zum Erzbischof nominiert und am 2. Juni in Canterbury geweiht. Nach Beobachtern vollzog sich an diesem Tag eine Transformation im Wesen Beckets. Über Nacht wurde aus dem stolzen und weltlichen Höfling, Staatsmann und Soldat ein asketischer Priester, der sich ganz seinen geistlichen Aufgaben widmete. Gleich seine erste Amtshandlung schockierte Heinrich. Becket gab dem König das Siegel des Kanzlers zurück. Er wollte fortan nicht mehr zwei Herren dienen. Heinrich II. wollte schnellstens heimkehren, um Becket vielleicht doch noch umzustimmen. Nach fünf Jahren Abwesenheit, sollte er im Januar 1163 zusammen mit Eleonore wieder englischen Boden betreten. Und dort nahm die Katastrophe ihren Lauf. Im Oktober 1163 forderte der König die Kirche auf, schuldige Kleriker den weltlichen Gerichten zu übergeben, damit sie nach den gleichen Maßstäben verurteilt würden wie jeder andere Verbrecher des Landes auch. Becket wußte zwar um die Mißstände kirchlicher Gerichte, wollte aber dem Wunsch des Königs nicht nachgeben, weil er die Freiheiten und Rechte der Kirche angegriffen sah. Heinrich konfiszierte daraufhin die Güter Beckets, die er diesem während seiner Zeit als Kanzler übereignet hatte. Auch entzog er seinen Sohn Heinrich der Aufsicht Beckets. Um Beckets Position zu schwächen, ernannte Heinrich dessen Rivalen Gilbert Foliot zum Bischof von London. Beckets starre Haltung führte dazu, daß nicht wenige Bischöfe auf Foliots Linie einschwenkten und selbst Papst Alexander III., der Heinrich gegenüber allen Grund zum Dank hatte, machte Becket klar, daß er in seinem Kampf gegen Heinrich nicht auf die Hilfe der römischen Kurie zählen könne. Erst diese päpstliche Intervention brachte Becket schließlich dazu, dem König und den "alten Rechtsbräuchen" Englands Gehorsam zu zollen. Am 25. Januar 1164 wurden von einem Konzil in Clarendon sechzehn neue Gesetze verabschiedet, mit denen Heinrich die Bräuche seiner Vorfahren festgeschrieben wissen wollte. Becket verweigerte erneut seine Unterschrift und sandte dem Papst eine Abschrift der Gesetzesbeschlüsse. Alexander III. sah, daß die neuen Gesetze die Freiheiten und Rechte der Kirche in der Tat einschränkten und verwarf nahezu jede Klausel des Gesetzeswerk. Durch diese päpstliche Rückendeckung gestärkt lehnte Becket nun offiziell die in Clarendon verabschiedeten Gesetze ab. Heinrich lud ihn deshalb im Oktober vor ein königliches Gericht, wo er sich für finanzielle Ungereimtheiten während seiner Amtszeit als Kanzler verantworten sollte, aber nicht als Erzbischof, sondern als gewöhnlicher Lehnsmann. Es war klar: Heinrich wollte Becket nun finanziell ruinieren. Die anderen Bischöfe unterstützten Becket indessen nicht und so entschloß sich der als Verräter geschmähte Becket nach einer turbulenten Woche zur Flucht nach Flandern. Kaum auf dem Kontinent begann Becket gegen Heinrich Stimmung zu machen. Er besuchte den Papst in Sens und gewann dessen Sympathie. Er schrieb zahlreiche Briefe an alle "rechtgläubigen" Fürsten und Regenten Europas, um sich als Opfer königlicher Willkür darzustellen. König Ludwig VII. von Frankreich gewährte Becket bereitwillig Asyl. Zunächst lebte Becket in der Abtei von Pontigny in Burgund, von 1165 bis 1170 in der Abtei von Saint Colombe in Sens. Auf Vermittlung Ludwigs fanden in den folgenden Jahren insgesamt zehn Treffen zwischen Heinrich und Becket statt. Doch alle endeten ohne sichtbaren Kompromiß. Was als rechtlicher Streit begonnen hatte, entwickelte sich zu einem Willenskampf und Streit darüber, wer die größere Autorität besaß. - Immer wieder rebellierten während der sechziger Jahre des 12. Jahrhunderts Heinrichs Vasallen in Maine, in Poitou, der Bretagne und in Aquitanien.1168 kehrte deshalb Eleonore mit Billigung Heinrichs nach Poitiers zurück, um von dort aus ihre eigenen Länder zu verwalten. Damit sollten die Vasallen beruhigt werden, die der angevinischen Herrschaft müde waren. Eleonore entfernte schnell einige der am meisten gehassten Regierungsbeamten Heinrichs und ersetzte sie durch einheimische Beamte. Sie ermutigte Adelige, die im Exil lebten, nach Poitou und Aquitanien zurückzukehren und restituierte ihren alten Besitz. Sie erneuerte die alten Privilegien für Städte und Abteien. Eleonore hatte beschlossen, auf Dauer getrennt von Heinrich zu leben, zumal dieser seit etwa 1165 mehr und mehr mit Rosamund Clifford zusammenlebte. Doch die Affären des Königs können nicht allein Anlaß zu dieser Entscheidung gewesen sein, da Eleonore ja von Anfang an von den Seitensprüngen ihres Mannes wußte und sie duldete. Vielmehr sah sie ihre Pflicht Heinrich Erben geboren zu haben als erfüllt an. Auch kennen wir Eleonores unabhängigen Geist. Sie wollte jetzt in den Wechseljahren in der relativen Unabhängigkeit ihres Herzogtums leben. Eleonores Hof in Poitiers wurde schnell zum Zentrum von Gesang und Kunst. Die Troubadoure gingen ein und aus bei Eleonore und zahlreiche Lieder wurden ihr zu jener Zeit gewidmet. Damals entstanden auch die Legenden um den sagenhaften Court of Love, den Eleonore unterhalten haben soll. - Eleonore hatte ihren "Lieblingssohn" Richard mit nach Poitiers gebracht, ihren Erben in Poitou und Aquitanien. Die beiden waren einander sehr zugetan, und in Richards Liebe zu ihr fand sie die emotionale Erfüllung, die in der Beziehung zu Heinrich einfach fehlte. Zur Freude Eleonores schloß Heinrich am 7. Januar 1169 in Montmirail in Maine mit Ludwig VII. einen Friedensvertrag. Darin wurde festgelegt, daß Heinrichs ältester Sohn gleichen Namens England, die Normandie und Anjou erhalten solle. Gottfried behielt die Bretagne als Vasall seines ältesten Bruders und im Recht seiner zukünftigen Frau Konstanze, der Herzogin der Bretagne. Richard schließlich sollte das Erbe Eleonores als Herzog von Aquitanien antreten und der Krone Frankreichs den Eid eines Vasallen schwören. Nicht wenige fragen sich, warum Heinrich II. beschloß, sein Imperium aufzuteilen. Ein Grund ist zweifellos, daß er aus eigener Erfahrung kannte, wie schwer es war, solch unterschiedliche Länder zusammenzuhalten. Auch glaubte er wohl, daß auf diese Weise nach seinem Tod das Erbe effektiver für die weitläufige Familie der Anjou zu erhalten war. Eleonore reiste viel in ihren Territorien und verfolgte eine Politik der Versöhnung. Heinrich II. ließ Eleonore weitestgehend freie Hand, was darauf schließen läßt, daß sie ihre Sache gut machte. Im Januar 1170 weilte Eleonore bei ihrem ältesten Sohn in Caen in der Normandie, der bald nach altem Brauch zu Lebzeiten des Vaters zum König gekrönt werden sollte. Dieser Krönung stand nun aber ein Hindernis im Weg: Becket. Denn die Krönung der englischen Könige war Privileg der Erzbischöfe von Canterbury. Doch der war zur Zeit im Exil und so sollte der Erzbischof von York die Krönung vornehmen. Das bedeutete nun wieder eine Beleidigung Beckets und der englischen Traditionalisten. Als Becket von den Plänen erfuhr, verbot er die Krönung und erreichte vom Papst die Androhung der Exkommunikation an alle Geistlichen, welche an der Krönung teilnehmen sollten. Der Papst beauftragte den Bischof von Worcester, einen Cousin König Heinrichs und Parteigänger von Becket, die Umsetzung der päpstlichen Order in England zu überwachen. Heinrich kümmerte sich nicht darum und brach Anfang März mit seinem ältesten Sohn zu dessen Krönung nach London auf. Währenddessen blieb Eleonore in der Normandie zurück und sorgte dafür, daß alle Häfen am Ärmelkanal geschlossen blieben, so daß der Bischof von Worcester nicht nach England übersetzen konnte. Nach ausgiebigen Vorbereitungen wurde Prinz Heinrich am 14. Juni 1170 in der Abtei von Westminster gekrönt. Die Krönung nahm der Erzbischof von York sowie sechs weitere Bischöfe vor. Eleonore nahm an der Krönung ihres ältesten Sohnes nicht teil. Sie zog mit ihrem Lieblingssohn Richard nach Poitiers, wo dieser am 31. Mai 1170 zum Grafen von Poitou investiert wurde. - Nach all dem schien dann doch noch die nicht mehr für möglich gehaltene Versöhnung zwischen Heinrich und Becket erreichbar zu sein. Auf Vermittlung von König Ludwig VII. von Frankreich und dem Erzbischof von Rouen trafen sich Becket und Heinrich am 22. Juli 1170 in Fréteval. Heinrich gestand ein, daß er Becket beleidigt habe mit der Krönung seines Sohnes. Er bat Becket als Erzbischof nach Canterbury zurückzukehren und seinen Sohn diesmal zusammen mit dessen Frau Marguerite nochmals zu krönen. Becket stimmte zur Erleichterung Heinrichs zu. Über den königlichen Primat in Rechtsangelegenheiten wurde indessen angesichts der Versöhnungsfreude nicht gesprochen. König Heinrich erkrankte bald darauf schwer, so daß er Beckets Rückkehr nach England nicht weiter vorbereiten konnte. Nachdem der König sich Ende September aber wieder erholt hatte, unternahm er mit Eleonore eine Pilgerfahrt nach Quercy und stellte dann Becket endlich ein Schreiben aus, in dem dargelegt wurde, daß Beckets Rückkehr nach Canterbury dem königlichen Willen entsprach. Becket versöhnte sich zwar mit Heinrich, rüstete aber kurz vor seiner vom König gewünschten Rückkehr zu neuem Kampf. Noch bevor er selbst am 1. Dezember 1170 bei Sandwich englischen Boden betrat, hatte Becket schon Boten mit Bannbullen nach England gesandt. Diese galten den Bischöfen, welche den jungen Heinrich am 14. Juni in Westminster gekrönt hatten. Am Weihnachtstag 1170 verkündete Becket schließlich die Exkommunikation der ihm ungehorsam gewordenen Bischöfe öffentlich von der Kanzel. Drei der exkommunizierten Bischöfe erschienen am zweiten Weihnachtstag bei König Heinrich II. in Bures in der Nähe von Bayeux, wo er mit seiner Familie das Weihnachtsfest verbrachte. Sie erzählten ihm und den versammelten Baronen und Vasallen von Beckets eigensinnigem Treiben, woraufhin der König einen Wutanfall bekam, bei dem er unbedachter Weise den Wunsch äußerte endlich von Becket befreit zu werden. Ob er in seinem Zornesausbruch allerdings die bis heute überlieferten Worte "Wer befreit mich von diesem Priester?" gesprochen hat, ist nicht gesichert. Jedenfalls nahmen vier Ritter des Königs Wunsch von Becket befreit zu sein wörtlich und brachen nach Canterbury auf, um den Erzbischof zu töten. Als König Heinrich später die Abwesenheit der vier Ritter bemerkte, ahnte er, wozu sie seinen Haushalt verlassen hatten und sandte Reiter hinter ihnen her, um sie von einer Bluttat zurückzuhalten. Doch es war schon zu spät. Die Katastrophe nahm ihren Lauf. Am 29. Dezember 1170 stellten die vier Ritter Becket in seinem Amtszimmer zur Rede und forderten ihn auf England endgültig zu verlassen. Er lehnte ab und wies die Ritter vor die Tür. Dann bereitete er sich für den Vespergottesdienst in der Kathedrale vor. Nach dem Einzug der Mönche und Geistlichen in den Chorraum der Kirche traten auch die vier Ritter, diesmal jedoch voll bewaffnet in die Kirche ein. Zum Entsetzen aller Anwesenden gingen sie direkt auf Becket zu und forderten ihn auf, die Exkommunikation der sechs Bischöfe zurückzunehmen. Nachdem Becket ablehnte, waren die vier zur Bluttat bereit. Becket spürte sein Ende kommen und empfahl seine Seele Gott. Er war bereit als "Märtyrer" zu sterben. Nach drei Schwerthieben, die Beckets Hirnschale öffneten, brach er tot vor dem Hochaltar zusammen. Die Nachricht vom Mord an Becket verbreitete sich in ganz Europa und trat einen Sturm der Entrüstung los. Der Schuldige war schnell ausgemacht: König Heinrich II. von England. Als Heinrich am 31. Dezember 1170 oder am 1. Januar 1171 vom Tod Beckets erfuhr, erlitt er einen völligen Zusammenbruch. Er zerriß seine Kleider und hüllte sich in Sackleinen. Fast sechs Wochen lebte er in strenger Zurückgezogenheit. Er sandte eine Botschaft an Papst Alexander III., in der er beteuerte, niemals den Mord an Becket gewollt zu haben. Der Papst zeigte sich moderat. Er exkommunizierte nur die vier Ritter, welche Becket getötet hatten und verbot Heinrich II. lediglich geheiligten Boden zu betreten, bis er nach einer angemessenen Zeit der Buße die Absolution erhalten habe. Wir wissen leider nicht mit Sicherheit, wie der Mord an Becket Eleonores Verhältnis zu ihrem Mann geändert hat. Manche Historiker vermuten, daß er zu ihrer dauerhaften Entfremdung von Heinrich beigetragen habe. Vor dem Mord an Becket unterstützte Eleonore ihren Mann bedingungslos in seinen Auseinandersetzungen mit dem Erzbischof, doch nach dem Tod Beckets scheint es, daß sie sich von Heinrich abgewandt hat. Sie war jedenfalls nicht in seiner Nähe, um ihn während der schweren Zeit der Buße und Anfeindung seitens halb Europas seelisch zu stützen. Eleonore kehrte nach den Weihnachtstagen nach Poitiers zurück, um dort die Regierungsgeschäfte wieder aufzunehmen. Heinrich machte sich unterdessen nach Irland auf, um dort die englische Herrschaft zu festigen. Er zog sich von der Politik auf dem Kontinent zurück, bis sich die Gemüter in Sachen Becket wieder beruhigt hatten. Um den Papst günstig zu stimmen, begann er die irische Kirche zu reformieren und auf römischen Kurs zu bringen. Am 17. April 1172 kehrte er aus Irland zurück und empfing in Westminster die päpstlichen Legaten, welche wegen einer akzeptablen Lösung im Fall Becket mit dem König verhandeln sollten. Schließlich reiste Heinrich II. mit seinem Sohn und dessen Frau in die Normandie, wo er am 12. Mai 1172 in der Kathedrale von Avranches öffentlich einen Eid schwor, daß er den Mord an Becket weder gewollt noch angeordnet habe, sehr wohl aber in seiner Wut Dinge gesagt habe, welche die vier Ritter dazu ermutigten, den Mord zu begehen. Der Erzbischof von Rouen sprach Heinrich daraufhin von jeglicher Mittäterschaft frei und nahm den König wieder in die Kirche auf. Anschließend trat Heinrich nur in einem Büßergewand bekleidet vor die Kathedrale, wo er öffentlich von Mönchen ausgepeitscht wurde. Heinrich leistete danach weitere Reparationen. Er übereignete dem Bistum Canterbury wieder alle von ihm eingezogenen Besitzungen. Ebenso gab er allen Parteigängern Beckets die Güter zurück, die er diesen in seinem Zorn abgenommen hatte. Heinrichs Versprechen, einen Kreuzzug anzuführen wandelte der Papst schließlich dahingehend um, daß der König stattdessen drei religiöse Häuser gründen solle. Heinrich hielt Wort und gründete ein Kartäuserkloster in Witham, Somerset. Dazu kamen als Wiedergründungen das Kloster Amesbury und Waltham. Auch nahm er zwei Bestimmungen der Clarendon Konstitutionen zurück, über welche er mit Becket einst in Streit geraten war. Auch wenn Becket somit als Märtyrer und Heiliger einen moralischen Sieg über Heinrich errungen hatte, so sicherte Heinrich doch der Krone die wichtige Freiheit, ihre Rechtsinteressen zu wahren, wenn sie durch Rechtsprozesse der Kirche beeinträchtigt wurden. - Während Heinrich II. in England seine Bußwerke erfüllte, ließ Eleonore am 11. Juni 1172 ihren Lieblingssohn Richard in der Abteikirche St. Martialus in Limoges zum Herzog Aquitaniens investieren. Auch wenn sie nicht die Absicht hatte, ihm ihre ganze Autorität zu übertragen, so wollte sie doch fortan zusammen mit ihm und möglichst ohne Mitsprache Heinrichs die ausgedehnten Lande ihres Erbes regieren. Im August 1172 wurde Eleonores ältester Sohn in Winchester ein zweites Mal gekrönt, diesmal zusammen mit seiner Frau Marguerite. Ludwig VII. von Frankreich lud das junge Königspaar zum Jahresende nach Paris ein, um mit ihm am französischen Hof Weihnachten zu feiern. Kaum daß Heinrich und Marguerite in Paris waren, versuchte Ludwig dann allerdings seinen Schwiegersohn für sich einzunehmen und einen Keil zwischen diesen und dessen Vater Heinrich zu treiben. König Heinrich schien Wind von den Versuchen Ludwigs bekommen zu haben und befahl seinem Sohn umgehend in die Normandie zu kommen, um mit ihm, seiner Mutter Eleonore und seinen Brüdern Richard und Gottfried in Chinon das Weihnachtsfest zu verbringen. Der junge König folgte dem Wunsch seines Vaters mit Widerwillen. Er kehrte zwar in die Normandie zurück, traf sich jedoch nicht mit seinen Eltern, sondern feierte sein eigenes Weihnachtsfest, zu dem er alle Ritter der Normandie mit Namen Wilhelm einlud. Etwa 110 sind dieser Einladung nachgekommen. Heinrich II. spürte nicht erst anhand dieses Zwischenfalls, daß er allmählich seine Autorität über seine drei ältesten Söhne verlor. Eleonore stellte sich eindeutig auf die Seite ihrer Söhne. Wie eine Löwin, so war sie bereit für ihre Kinder zu kämpfen, damit sie zu ihrem Recht kamen. Dies zeigt, daß sich Eleonore völlig von ihrem Mann entfremdet hatte Es sollte nicht mehr lange dauern, bis Eleonore schließlich ihre drei ältesten Söhne in eine offene Rebellion gegen Heinrich führen würde, mit der erreicht werden sollte, daß sie die ihnen zugesprochenen Ländereien autonom und ohne ihren Vater regieren können. Die rebellischen Söhne konnten sich der Unterstützung vieler Vasallen gerade in Poitou, Aquitanien und der Bretagne sicher sein, denn diese sehnten sich ein Ende von Heinrichs autoritärer Herrschaft herbei, die so oft gegen lokale Autoritäten gerichtet war. Daß Eleonore Kontakt zu König Ludwig VII. hatte, ist sicher, war er doch ihr oberster Lehnsherr. Die Chronisten sind sich allerdings uneins im Urteil darüber, in wie weit Eleonore und Ludwig wirklich in die Rebellion von Heinrich, Gottfried und Richard gegen ihren Vater verstrickt waren. Gervasius von Canterbury und Wilhelm von Newburgh klagen sie an, die gesamte Rebellion geplant zu haben. Richard FitzNigel sieht in Eleonore jene, die die hitzköpfigen Söhne in ihrem Macht- und Unabhängigkeitsstreben unterstützt hat. Dabei hat sie es in Kauf genommen, daß sich dieses dann gegen König Heinrich II. richtete. Ralph von Diceto wiederum klagt Eleonore an, die Gedanken ihrer Söhne vergiftet zu haben. Die anonyme Quelle Gesta Henrici Secundi benennt als Drahtzieher der Rebellion König Ludwig VII. von Frankreich, Königin Eleonore und der Seneschall des Poitou Raoul de Faye. Die Gesta nennen ihn den bösen Genius von Königin Eleonore. Wie dem auch sein, die Rebellion begann in der letzten Februarwoche 1173, als der junge König Heinrich seinen Vater aufforderte, ihm und seinen Brüdern mehr Macht zu übertragen. Zugleich verweigerte er seinem jüngsten Bruder Johann Gebiete zu übertragen, die rechtmäßig zu seinem Erbteil gehörten. Der junge König begründete seinen Anspruch damit, daß es der Wunsch König Ludwigs VII. von Frankreich und vieler Barone Englands und der Normandie sei, daß Heinrich ihm und seinen Brüdern mehr Macht zugestehen solle. Jetzt erkannte der König, wie weit die Rebellion gegen ihn angelegt war. Doch noch immer wollte er nicht glauben, daß seine Frau Eleonore ihre Finger mit im Spiel hatte. Er verbannte zahlreiche Ritter aus dem Haushalt und Umfeld des jungen Königs, ließ aber Eleonores Machtbefugnisse ebenso unangetastet wie die von Richard und Gottfried. Anfang März nahm er den jungen Heinrich schließlich mit sich in die Normandie, um ihn unter stetiger Beobachtung zu halten. Am 5. März in Chinon angekommen, bestand König Heinrich dann darauf, daß er und sein Sohn in einer Kammer schlafen sollten. Doch in der Nacht schlich sich der junge Heinrich davon und floh. Der König wollte seinen Sohn einholen und gefangen nehmen lassen, mußte jedoch feststellen, daß die Flucht von langer Hand geplant worden war, fand der flüchtige Heinrich doch auf seinem Weg nach Paris an vielen Stellen frische Pferde und Fluchthelfer. In Paris schworen sich Heinrich und König Ludwig VII. einander beizustehen gegen den gemeinsamen Feind: König Heinrich II. Dieser sandte daraufhin eine Delegation von Bischöfen nach Paris, um Ludwig zur Auslieferung von Heinrich zu bewegen. Dieser weigerte sich, da der König von England in Paris sei und er von keinem anderen englischen König Befehle annehmen werde. Kaum, daß der junge König in Paris war, da erklärten beiderseits des Ärmelkanals zahlreiche Barone ihre Unterstützung für den "neuen" König. Manche historische Quelle besagt, der junge König sei kurz darauf nach Aquitanien gereist, um seine Brüder und seine Mutter für seinen Aufstand zu gewinnen. Andere Quellen gehen davon aus, Eleonore habe ihre beiden Söhne Richard und Gottfried vielmehr nach Paris geschickt, wo sie sich ihrem älteren Bruder anschließen sollten. Wie dem auch sei, Eleonore und ihr Ratgeber Raoul de Faye ermutigten die Barone des Südens sich der Sache des jungen Heinrich anzuschließen, um so das angevinische Joch abzuschütteln. Spätestens jetzt muß König Heinrich II. gemerkt haben, daß er sich auf die Loyalität seiner Frau nicht mehr verlassen konnte. Er beauftragte daher den Erzbischof von Rouen Eleonore zu schreiben und sie an ihre ehelichen Pflichten und Gelöbnisse ihrem Ehemann gegenüber zu erinnern. Sie solle gefälligst ihren Einfluß auf ihre Söhne dahingehend nutzen, um sie zu kindlichem Gehorsam gegenüber ihrem Vater zu bewegen. Doch Eleonore dachte gar nicht daran, diesen Forderungen nachzukommen. Wenn König Heinrich II. noch eines Beweises für Eleonores Verstrickung in die Rebellion seines ältesten Sohnes brauchte, fand er sie in ihrer hastig arrangierten Reise nach Paris im Mai 1173. Zum Teil als Mann verkleidet machte sie sich von Poitiers auf den Weg, weil sie sich am Hofe ihres ehemaligen Ehemanns zur Zeit deutlich sicherer fühlte. Heinrichs Spione waren jedoch auf der Hut und durch Verrat gelang es ihnen schließlich die Königin unter Arrest zu stellen. Auf welche königliche Festung man Eleonore brachte, ist nicht sicher. Da sie keine gewöhnliche Gefangene war, dürfte sie des öfteren in eine andere Festung verbracht worden sein. Für das ganze folgende Jahr ist nichts über den Verbleib von Eleonore zu erfahren, was König Heinrich sicher gewollt hat, um seine Söhne an einer Befreiung der Mutter zu hindern. Auch ohne Eleonore wuchs die Rebellion bis zum Ende des Frühjahres 1173 beträchtlich an. Sie umfaßte schon bald nicht nur den König von Frankreich und die drei ältesten Söhne Heinrichs II., sondern auch den König von Schottland, sowie viele Magnaten Englands und die Herzöge von Blois, Flandern, der Champagne und von Boulogne und verschiedene Barone von Anjou, Maine, Poitou, Aquitanien und der Bretagne. Chronisten sagen, König Heinrich II. seien einzig sein jüngster legitimer Sohn Johann und sein illegitimer Sohn, Bischof Gottfried von Lincoln und das Herzogtum Normandie als treue Anhänger geblieben. Gegen die Festungen der Normandie wurden denn auch die härtesten militärischen Schläge von den Rebellen geführt. Aber nicht nur die Normandie war Kriegsschauplatz, auch in Anjou, der Bretagne und Maine kam es zu bewaffneten Aufständen gegen König Heinrich II.. Mit Söldnerheeren aus Brabant konnte er den Aufstand in der Bretagne niederschlagen. Danach führte er eine massive Invasion nach Poitou. Heinrich II. kämpfte den ganzen Sommer 1173 über hart, um die Rebellen zurückzuschlagen. Auch wenn diese den Papst um Unterstützung angingen, blieb die Kirche doch Heinrich gegenüber loyal. Dieser sicherte sich ihre Unterstützung auch dadurch, daß er zahlreiche vakante Bistümer in England und anderswo mit seinen Kandidaten und Parteigängern besetzte. Seine militärischen und taktischen Fähigkeiten halfen Heinrich II. seine Gegner in Schach zu halten. Am 25. September 1173 traf er sich schließlich mit König Ludwig VII. von Frankreich und seinen drei Söhnen in Gisors zu Verhandlungen. Diese brachten jedoch keinen Erfolg. Unterdessen starteten von Schottland und von Flandern aus zwei Invasionen gegen England, um dort König Heinrich II. zu stürzen. Die Invasionen schlugen fehl und Heinrich blieb Herr über England. Der Krieg zog sich jedoch hin und als im Juni 1174 eine erneute schottische Invasion drohte, sah König Heinrich II. darin eine Strafe Gottes für sein Versagen, den Mord an Becket genügend gesühnt zu haben. Mit den Ehefrauen seiner rebellierenden Söhne, seinem jüngsten Sohn Johann und seiner Frau Eleonore brach er am 8. Juli 1174 nach England auf. Dort angekommen, wurde Eleonore sofort wieder in Arrest genommen und wohl in die Burg nach Winchester oder Sarum bei Salisbury gebracht. Heinrich II. begab sich auf Pilgerfahrt nach Canterbury, wo sich der Schrein des am 21. Februar 1173 heiliggesprochenen Thomas Becket befand. Er legte in Sichtweite der Stadt seine Gewänder ab und kleidete sich in Sackleinen. Dann ging er barfuß zur Kathedrale, wo er sich vor Beckets Grab niederwarf. Anschließend erbat er sich die Absolution von den anwesenden Bischöfen. Dann ließ er sich von allen in der Kathedrale anwesenden Geistlichen drei bis fünf Schläge auf den entblößten Rücken geben. Schließlich blieb Heinrich den restlichen Tag und die ganze Nacht im Gebet vor Beckets Grab liegen, bevor er am frühen Morgen an der Messe in der Kathedrale teilnahm. Dann zog er nach London, um ein wenig Schlaf zu finden. Mitten in der Nacht wurde ihm dann er Sieg über die schottischen Truppen überbracht, deren König in der Burg von Richmond gefangensaß. Heinrich deutete dies als Zeichen göttlicher Vergebung und als Akt der Fürsprache des Heiligen Thomas Becket. Mit der Gefangennahme des schottischen Königs brach die Rebellion in England endgültig zusammen. Im August 1174 konnte König Heinrich II. ein befriedetes England verlassen, um sich seinen Gegnern jenseits des Kanals zu stellen. Heinrichs Siegeszug hielt den ganzen Herbst über an. Ja, er schien seinen Gegnern seit seiner Wallfahrt zum Schrein Beckets unbesiegbar zu sein. König Ludwig VII. sah kein anderes Mittel, als mit Heinrich Frieden zu schließen und er setzte jetzt auch alles daran diesen mit seinen Söhnen zusammenzubringen. Die drei hatten nun keine andere Wahl als den Frieden mit ihrem Vater zu suchen. Dieser wußte wohl, daß seine Söhne nicht aus innerer Überzeugung den Frieden mit ihm suchten, sondern aus der momentanen militärischen und politischen Schwäche heraus, doch auch er wollte endlich wieder Ruhe in seinem Reich und zeigte sich daher mehr als großzügig in seinen Verhandlungen mit ihnen. Er sprach ihnen beträchtliche Einkommen zu und bedachte sie mit Festungen und Burgen in ihren Erbländern, doch mehr politische Macht und Unabhängigkeit als vor der Rebellion gab er ihnen dennoch nicht. Auch wenn Heinrich seinen Söhnen aufgrund ihres jungen Alters und schlechter Berater wie Eleonore und König Ludwig VII. verzieh, die Beziehung zu ihnen sollte von nun an von Bitterkeit über ihren Verrat und von Mißtrauen geprägt sein. Heinrichs Liebling war fortan sein jüngster legitimer Sohn Johann und sein illegitimer Sohn Gottfried, der schon genannte Bischof von Lincoln, der 1173 / 74 Heinrichs Sache in Englands Norden ausfocht. Er wurde zum engsten Berater Heinrichs. Nach dem Friedensschluß mit seinen Söhnen und dem Ende er Rebellion ließ Heinrich alle Geiseln frei. Er verkündete sogar eine Generalamnestie für alle, die gegen ihn gekämpft hatten. Davon ausgenommen war einzig seine Frau Eleonore. Sie sollte bis zum Tod Heinrichs seine Gefangene bleiben. - König Heinrich II. hielt seine Frau unter strenger Bewachung und unterband auch jeglichen Kontakt zu ihren Söhnen. Wenige wußten, wo sich Eleonore jeweils befand, so diskret versteckte sie Heinrich vor der Öffentlichkeit. Eleonores Gefangenschaft sorgte gerade in Poitou und Aquitanien für Trauer und Bitterkeit. Dort wandten sich ihre Gefolgsleute und Vasallen an ihren Lieblingssohn Richard. Er trat in Eleonores Fußstapfen. Eleonore lebte trotz der Abgeschiedenheit von der Welt in einer luxuriösen Umgebung und mußte auf keinen Komfort verzichten. Nach der Gefangennahme Eleonores begann Heinrich II. offen mit seiner Mätresse Rosamund Clifford zusammenzuleben. Sie nahm aber in der Öffentlichkeit nie die Stelle der Königin ein. Nach dem Chronisten Gervasius von Canterbury unternahm Heinrich 1175 den ersten Versuch seine Ehe mit Eleonore annullieren zu lassen. Es bestand dazu auch guter Grund, waren beide doch wesentlich enger miteinander verwandt, als das zwischen Eleonore und ihrem ersten Ehemann Ludwig VII. von Frankreich der Fall gewesen war. Und jene Ehe ist ja bekanntlich wegen zu enger Blutsverwandtschaft gelöst worden. Falls Eleonore auch ein Verhältnis zu Heinrichs Vater gehabt haben sollte, so käme auch noch Inzest dazu, was eine Ehe ungültig gemacht hätte. Eine Annullierung aus genannten Gründen brachte jedoch die Gefahr mit sich, daß Heinrichs und Eleonores Kinder die Legitimität genommen würde. Wie auch immer mit der angestrebten Annullierung seiner Ehe war Heinrich II. drauf und dran deren Erbe zu verspielen. Sollte nämlich der Papst die Ehe auflösen, würden Eleonores Länder an sie und nach ihrem Tod an ihre Söhne fallen. Außerdem wäre sie nicht länger Heinrichs Untertan und er hätte keinen Grund mehr, sie in Haft zu halten. Sie könnte nach Aquitanien zurückkehren und erneut gegen ihn intrigieren. Keine rosige Aussicht für Heinrich. 1176 machte Heinrich Eleonore ein Angebot. Sie könne als Äbtissin nach Fontevraud gehen und den Schleier nehmen. Dafür müsse sie nur der Annullierung der Ehe zustimmen. Von der Aushändigung ihres Erbbesitzes war in dem Angebot jedoch keine Rede. Eleonore dachte gar nicht daran, der Welt zu entsagen, ihr Erbe aufzugeben und als Nonne zu leben, noch dazu in einem Kloster, das im Einflußbereich Heinrichs lag. So sehr sie Fontevraud auch mochte -später sollte sie ihre letzte Lebenszeit dort verbringen- führte sie nun ihrerseits gegen ihren Mann Klage beim Erzbischof von Rouen, Heinrich wolle sie zu einem monastischen Leben zwingen. Da sich der Erzbischof daraufhin weigerte, Eleonore zum Klosterleben zu zwingen, blieb Heinrich nichts anderes übrig, als in Rom um eine Annullierung nachzusuchen. Dort ruhte die Sache nun allerdings erst einmal. Im Sommer 1176 kam für Eleonore auch der Abschied von ihrer Tochter Johanna, die den König von Sizilien, Wilhelm II., heiraten sollte. Im September desselben Jahres wurde Eleonores jüngster Sohn Johann mit seiner Cousine Hawise verlobt, der Tochter des Grafen von Gloucester, einem der bedeutendsten Magnaten Englands. Ebenfalls 1176 oder auch 1177 starb Rosamund Clifford, Heinrichs Mätresse. Sie zog sich zum Sterben in das Kloster von Godstow in der Nähe von Oxford zurück. Ihr Tod dürfte von Eleonore wenig beweint worden sein. Ab dem 14. Jahrhundert kursieren Gerüchte, Balladen, romantische Geschichte und Legenden, wonach Eleonore die Rivalin aus Eifersucht hat umbringen lassen. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie als historisch nicht haltbar widerlegt. Kaum daß Rosamund tot war, hofierte Heinrich II. die Verlobte seines Sohnes Richard, Alice von Frankreich. Er schien sich der Annullierung seiner Ehe mit Eleonore sicher zu sein, sonst hätte er dieses skandalöse Verhältnis wohl kaum gewagt. Vielleicht intendierte er mit Alice eine neue Dynastie zu gründen, da die Söhne mit Eleonore ja im Fall der Eheannullierung für illegitim erklärt werden konnten. König Ludwig VII. von Frankreich hörte von seiner Tochter Marguerite vom Buhlen Heinrichs um deren Schwester. Er zögerte nicht und verlangte vom Papst die unverzügliche Heirat zwischen Richard und Alice. Wenn Heinrich sich weigern sollte, hoffte Ludwig auf ein päpstliches Interdikt gegen England. Der Gefahr voll bewußt, reiste Heinrich II. nach Frankreich, um in Ivry mit König Ludwig zu verhandeln. Heinrich versprach Ludwig die Hochzeit von Richard und Alice, sobald alle rechtlichen Fragen geklärt seien. Zudem beschlossen beide bald einen gemeinsamen Kreuzzug zu unternehmen. Nach der Rückkehr aus Frankreich hielt Heinrich seine Beziehung zu Alice so geheim als möglich. Eine Heirat mit Richard war kaum in Sicht, zumal dieser keine Lust hatte, die Mätresse seines Vaters zu heiraten. 1177 verlieh Heinrich seinem jüngsten Sohn Johann Irland zum Lehen und Erbe. 1177 kamen auch die Heiratsverhandlungen mit Kastilien zum erfolgreichen Ende. Eleonore mußte nun auch noch von ihrer dritten Tochter Abschied nehmen. Diese heiratete im September in der Kathedrale von Bourgos König Alfons VIII. von Kastilien. Im August 1179 kam schließlich König Ludwig VII. von Frankreich zu einem fünftägigen Besuch nach England. Er wollte die freundschaftlichen Bande mit Heinrich vertiefen und in Canterbury zum Grab des Heiligen Thomas Becket pilgern. Er brachte reiche Geschenke für den Schrein und die Kathedrale darunter einen großen Rubin, bis heute als Régale de France bekannt. Drei Tage verbrachte er mit Fasten, Gebet und Gottesdienst an diesem heiligen Ort. Danach kehrte er nach Frankreich zurück, wo er kurz darauf einen schweren Schlaganfall erlitt, der ihn halbseitig lähmte. So konnte er der Krönung seines Sohnes Philipp in Reims nicht beiwohnen. Die Regentschaft Ludwigs war praktisch vorbei und schon im folgenden Jahr verstarb er. Sein Sohn folgte ihm als Philipp II. auf den Thron. Er war ein ganz anderer Mensch als sein Vater. Äußerlich eher unansehnlich war er doch sehr ehrgeizig und verfolgte nur ein Ziel, nämlich die angevinischen Länder Frankreich einzuverleiben. 1180 verschärften sich die Rivalitäten zwischen Eleonores Lieblingssohn Richard und seinem ältesten Bruder Heinrich. Letzterer versuchte Richards Unbeliebtheit in Aquitanien auszunutzen, um hinter dessen Rücken Komplotte mit den aquitanischen Magnaten zu schmieden. Heinrich war es leid, vom Vater gegängelt zu werden und jeder Macht beraubt zu sein. Er stellte ein Heer zusammen, um gegen seinen Bruder Richard zu ziehen. Als König Heinrich II. in die Normandie eilte, um Heinrich zur Vernunft zu bringen, schossen dessen Soldaten zweimal auf den König, der jedes Mal nur knapp dem Tod entging. Heinrich entzog seinem ältesten Sohn daraufhin die Geldmittel, so daß dieser seine Truppen nicht mehr finanzieren konnte. Der Bruderkrieg war abgewendet. Der junge Heinrich dachte jedoch gar nicht daran, ein weiteres Mal vor seinem Vater zu Kreuze zu kriechen und durchstreifte stattdessen mit einigen Anhängern raubend das Land. Selbst vor dem Schrein des Heiligen Roland in Rocamadour machte die "Diebesbande" nicht halt. Im Juni 1183 raubten sie das Altargeschirr und wertvolle Reliquien aus der dortigen Wallfahrtskirche. Doch schon wenige Tage später wurde der junge Heinrich vom Fieber erfaßt. Er erreichte noch das Dorf Martel in Quercy, wo er bei einem Bürger Unterschlupf fand. Als Heinrich immer schwächer wurde, sandte der Bürger nach dem Bischof von Agen (heutiges Departement Lot-et-Garonne), der nach dem jungen König schauen sollte. Der Bischof sah, daß es mit Heinrich zu Ende ging und suchte sofort dessen Vater in Limoges auf. Die Berater des Königs witterten eine Falle und rieten ihm ab, selbst nach Martel zu reisen. So sandte Heinrich II. schließlich seinen Leibarzt, sowie Geld und einen Saphirring, der seinem Großvater Heinrich I. gehörte. Der Ring sollte als Versöhnungszeichen dienen. Am 11. Juni 1183 starb der junge Heinrich. Zuvor beichtete er noch und ließ für seinen Vater einen Brief aufsetzen, in dem er ihn um Vergebung und um die Freilassung seiner Mutter Eleonore bat. Den letzten Wunsch wollte Heinrich seinem Sohn jedoch nicht gewähren. Immerhin sandte er Thomas Agnell, den Erzdiakon von Wells zu Eleonore, um ihr die Todesnachricht ihres ältesten Sohnes zu überbringen. Eleonore nahm die Nachricht recht gefaßt auf, hatte sie nach eigenen Angaben doch einen Traum, der ihr den Verlust ankündigte. Trotz der äußeren Gefaßtheit litt Eleonore unter dem Verlust schwer. 1193 sollte sie Papst Coelestin III. gegenüber bekennen, wie sehr sie von der Erinnerung an Heinrich gequält worden sei. - Nach dem Tode seines ältesten Sohnes wollte Heinrich die Länder neu und gerechter unter seinen Söhnen aufteilen. Dahinter stand die Absicht seinem Liebling Johann mehr Einfluß und Besitz zu sichern. Denn dieser hatte bis dato außer Irland und einigen Gütern in England keinen Besitz, was ihm damals den Beinamen "Lackland" (ohne Land) einbrachte. Für Johann hätte sein Bruder Richard nach dem Willen Heinrichs auf Poitou und Aquitanien verzichten sollen. Dazu war er aber alles andere als bereit, hatte er doch seit der Gefangenschaft seiner Mutter Eleonore hart um deren Erbe gekämpft. Richards Bruder Gottfried schloß sich daraufhin mit Johann zusammen und die beiden starteten eine Invasion in Poitou, um Richard doch noch zum Einlenken zu zwingen. Richard zog nun seinerseits plündernd und raubend durch die Bretagne, den Besitz seines Bruders Gottfried. Heinrich II. wollte den Frieden und rief seine drei Söhne auf, die Waffen niederzulegen und im November 1184 nach Westminster zu kommen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden und einen neuen Erzbischof für Canterbury zu ernennen. Zu diesem Treffen war auch Eleonore geladen. Am 30. November 1184 war sie nach nahezu zehn Jahren das erste mal wieder mit ihren Söhnen vereint. Wir wissen aus den historischen Quellen leider wenig über die Gemütsbewegungen Eleonores, die diese Zusammenführung mit sich brachte. Zweifellos erlebte Eleonore diese als Befreiung. Heinrich hatte sie jedoch nicht wegen des Wiedersehens mit ihren Söhnen an den Hof geladen, sondern aus politischen Interessen. Sie sollte Zeugin der Versöhnung ihrer Söhne sein und als Herzogin von Aquitanien ihre Länder Aquitanien und Poitou offiziell Johann zum Erbe geben, da dies eine gerechtere Aufteilung des angevinischen Reiches mit sich brächte. Doch Eleonore versagte ihre Zusammenarbeit, hatte sie doch ihre Länder bereits vor Jahren Richard übereignet. Daraufhin zog Heinrich die Verwaltung von Poitou und Aquitanien wieder an sich und besetzte die stärksten Burgen mit eigenen Besatzungen. Er wollte seiner Frau und seinem Sohn Richard zeigen, wer die Zügel in der Hand hielt. Eleonore erfreute sich nach 1184 trotz der Querelen um das aquitanische Erbe zunehmend größerer Bewegungsfreiheit. Sie war nun wieder öfter am Hof und kam offiziellen Verpflichtungen an der Seite ihres Mannes nach. Sie konnte sich jedoch keine Chancen ausrechnen, wieder in Poitiers ihren eigenen Hof zu unterhalten. Im August 1186 starb Eleonores dritter Sohn Gottfried. Ein weiterer Verlust, den sie zu beweinen hatte. Ab 1187 spitzte sich der Streit über die Heirat von Alice und Richard zu. König Philipp II. forderte wegen des andauernden Hinausschiebens der Heirat seiner Schwester mit Richard von König Heinrich deren "Mitgift", das Herzogtum Berry und das Vexin, zurück. 1188 kam es zu militärischen Auseinandersetzungen in der Sache. Am 10. Juli verließ Heinrich das letzte Mal England, um selbst in den Kampf gegen Philipp zu ziehen. Es scheint, daß er sich vor seinem Aufbruch noch einmal zur Burg Sarum bei Salisbury aufmachte, um sich von Eleonore zu verabschieden. Es sollte ihr letztes Treffen sein. Inzwischen hatte sich Richard mit Philipp II. verbündet und als es Heinrich bei einem Friedenstreffen in La Ferté Bernard am 4. Juni 1189 noch einmal ablehnte, Richard mit Alice zu verheiraten und diesen sein Erbe in Anjou, Maine und Touraine antreten zu lassen, kam es zum endgültigen Bruch zwischen Heinrich und Richard. Dieser fiel nun als "Lehnsmann" des französischen Königs mit dessen militärischer Hilfe in den genannten Ländern ein, um sie in Besitz zu nehmen. Richard belagerte schließlich seinen Vater in dessen Geburtsstadt Le Mans und zwang ihn nach deren Erstürmung zur Flucht in die Normandie. Heinrich war geschwächt und ein Abszeß einer Analfissur führte zu einer Blutvergiftung und zu hohem Fieber. Von der Krankheit gezeichnet mußte er sich am 4. Juli 1189 in Colomières vor Philipp und Richard erniedrigen und harte Friedensbedingungen diktieren lassen. Richard sollte Erbe aller Länder diesseits des Ärmelkanals und von England bleiben und Alice sollte an ihren Bruder Philipp II. übergeben werden. Alle, die für Richard Partei ergriffen hatten, sollten begnadigt und wieder in all ihre Rechte eingesetzt werden und schließlich sollte Heinrich einen Schadensersatz von 20.000 Mark an Philipp II. zahlen und bis zur Fastenzeit 1190 an einem neuen Kreuzzug teilnehmen. Der tot kranke Heinrich stimmte allen Bedingungen zu und kehrte nur mit Mühe nach Chinon zurück. Dort ging er in die Kapelle, machte seinen Frieden mit Gott, beichtete und ließ sich vom Erzbischof von Canterbury die Absolution geben. Danach verließ ihn der Lebenswille und am 6. Juli starb er. Nun war Richard der unangefochtene Erbe des angevinischen Reiches. Er begleitete seinen toten Vater nach Fontevraud, wo er am 10. Juli 1189 beigesetzt wurde. - Die erste Order, die der neue König Richard I. ausgab, war die Freilassung seiner Mutter aus ihrer Gefangenschaft. Mit einem entsprechenden Schreiben setzte er sie zugleich zur Regentin in England ein, bis er selbst das königliche Erbe antreten könne. Eleonore verließ das Gefängnis sichtlich reifer und weiser. Sie hat während der erzwungenen Gefangenschaft nichts von ihrer Würde, ihrem Stolz und ihren politischen Fähigkeiten eingebüßt und so begann sie sofort voller Tatkraft die Regierungsgeschäfte zu führen. Die Vollmachten, die Richard ihr erteilte, zeigen, daß Eleonore auch während der langen Trennung von ihrem Lieblingssohn nichts von ihrem Einfluß auf denselben eingebüßt hatte. Er ließ ihr während der ersten Hälfte seiner Regentschaft in England weitgehend freie Hand. Eleonore dankte es ihm. Sie warb in England unermüdlich um Unterstützung für Richard, der doch nahezu sein ganzes Leben in Aquitanien verbracht hatte und in England ein Fremder war. Die Umsicht und Weisheit, die Eleonore in ihren Anordnungen an den Tag legte, ließen ihre Kritiker verstummen. Nichts war mehr zu hören über ihren unsteten Lebenswandel in früheren Jahren. Am 13. August kam Richard selbst nach England, wo er in Portsmouth begeistert empfangen wurde. Zwei Tage später hielt er einen pompösen Einzug in Winchester, wo er mit seiner stolzen Mutter zusammentraf. Diese begleitete ihn nach London. Zu deren Ärger, jedoch zur Freude vieler Anhänger Heinrichs, nominierte er gemäß dessen Wunsch seinen illegitimen Bruder Gottfried, bisher Bischof von Lincoln, zum Erzbischof von York. Zugleich ernannte er Wilhelm Longchamp den Bischof von Ely und früheren Kanzler in Aquitanien, zum Kanzler. Am 29. August 1189 verheiratete er dann noch seinen Bruder Johann mit ihrer beider Cousine, Hawise von Gloucester, und ernannte ihn zum Grafen von Gloucester. Richard übereignete Johann insgesamt sechs Grafschaften und machte ihn somit zum mächtigsten Magnaten des Landes. Zudem übertrug er ihm volle Verantwortung über Irland. In der Öffentlichkeit schien damit Johann zum Erben Richards erkoren worden zu sein. Am 3. September 1189 wurde Richard schließlich in der Abtei von Westminster zum König gekrönt. Richard war trotz seines Rufs als "Lionheart" eine Niete in Sachen Regierung. Seine Mutter Eleonore schaffte es mit viel Mühe Richard das Wohlwollen der Engländer zu sichern. Doch dieser verspielte dasselbe in nur zehn Monaten. Er schuldete Philipp II. von Frankreich für dessen Unterstützung und Hilfe auf dem Kontinent eine große Summe Geldes. Diese Summe leerte zusammen mit den horrenden Ausgaben für die opulenten Krönungsfeierlichkeiten die Staatskasse. Hinzu kam der ungeheure Geldbedarf für Richards anstehendes Großprojekt: einen neuen Kreuzzug. Seit dem Fall Jerusalems 1188 warb der Papst darum. Und Richard wollte dem Ruf Folge leisten. So ließ er England unter Steuerlasten bluten. Um an zusätzliche Einnahmen zu kommen, ließ er alles verkaufen: Titel, Ämter, Grafschaften, Burgen, Städte ... . Angeblich soll Richard gesagt haben: "Wenn ich einen Käufer gefunden hätte, hätte ich ihm auch London verkauft." Viele Engländer vermuteten in Richards Handeln, daß er England lediglich als Geldquelle zur Finanzierung seines Kreuzzuges benutzte. Dieser Kreuzzug sollte ihn letztlich zum König von Jerusalem machen. Die meisten sahen auch schon Johann als den künftigen König. Wie auch immer, im November 1189 verließ Richard England, um in der Normandie die letzten Vorbereitungen für den Kreuzzug zu treffen. Auch war eine Zusammenkunft mit König Philipp II. von Frankreich geplant, der ebenfalls das Kreuz nahm. Im Februar 1190 versammelte Richard noch einmal seine Vertrauten und seine Mutter Eleonore in Bures um sich, um die Regierung während seiner Abwesenheit zu klären. Auch wenn Eleonore nicht formell zur Regentin ernannt worden ist, so war klar, daß sich alle Staatsbeamten, auch der Kanzler Longchamp, nach ihrem Wort richten sollten. Noch bevor Richard endgültig zum Kreuzzug aufbrach, war er und Eleonore noch mit der Thronfolgefrage beschäftigt. Der Sohn seines verstorbenen Bruders Gottfried kam nicht in Frage, da er an einem fremden Hof unter dem Einfluß von Philipp II. aufwuchs. Seinem Bruder Johann traute Richard nicht und ebenso wenig seinem Halbbruder Gottfried, dem von ihm kürzlich nominierten Erzbischof von York. Er brauchte unbedingt einen eigenen Erben. Eine Heirat mit Alice von Frankreich kam für ihn aber auch nicht in Frage, stand doch dieser Alices frühere Liebesbeziehung zu seinem Vater im Weg. Die mit ihr bestehende Verlobung aber zu lösen, bedeutete einen Konflikt mit deren Bruder Philipp II. von Frankreich heraufzubeschwören. Eine schnelle Entscheidung noch vor Beginn des Kreuzzugs war nicht möglich, sollte Philipp II. nicht noch einen Rückzieher davor machen. Richard beauftragte daher Eleonore, während seiner Reise nach Süditalien die Heirat mit Berengaria, der Tochter König Sancho VI. von Navarra zu arrangieren. Richard kannte sie von einem Treffen in Pamplona und war von ihrem Charme und ihrem freundlichen Wesen ganz angetan. Das kleine Königreich Navarra war ein treuer Bundesgenosse Richards und unterstützte ihn während seiner Regierungszeit in Aquitanien und während der Auseinandersetzungen mit Richards Vater. Am 4. Juli 1190 begab sich Richard schließlich auf den Weg ins Heilige Land. - Kaum daß er sich auf den Weg gemacht hatte, brach auch Eleonore nach Navarra auf, um Berengaria zu holen und nach Italien zu bringen. In Reggio an der Stiefelspitze Italiens traf Richard dann mit Mutter und Braut zusammen. In Reggio traf Eleonore nach vierzehn Jahren auch ihre Tochter Johanna wieder. Fünf Tage waren den beiden füreinander geschenkt, bevor die Reise nach Sizilien führte, von wo aus Richards Flotte Richtung Heiliges Land ablegen sollte. König Philipp II. wurde unterdessen der Heiratsabsichten Richards gewahr, konnte nun aber den Kreuzzug nicht mehr gefährden. Richard eröffnete ihm schließlich, daß er Alice nicht heiraten könne, weil sein Vater Heinrich II. mit ihr ein inzestuöses Verhältnis gehabt habe. Richard versprach Philipp II. nach seiner Rückkehr Alice nach Frankreich zu entlassen und ihr auch die Ländereien zurückzugeben, die sie als Mitgift in die geplante Verbindung eingebracht hatte. Philipp II. war durch Richards Vorgehen zutiefst gekränkt, doch abwenden konnte er die Heirat Richards mit Berengaria nun nicht mehr. So setzten beide Könige als persönliche Feinde den gemeinsamen Kreuzzug fort. Auf dem Weg ins Heilige Land fand dann auf Zypern am 12. Mai 1191 die Heirat von Richard und Berengaria statt. Sofort nach der Trauung wurde die Braut vom Bischof von Evreux zur Königin von England gekrönt. Am 8. Juni 1191 erreichte Richards Heer Akko, den für die Kreuzfahrerstaaten so wichtigen Hafen. Dieser wurde nun schon zwei Jahre ohne Aussicht auf Erfolg belagert. Richards Ankunft brachte die Wende und am 12. Juli 1191 ergab sich Akko dem englischen König. Dieser Sieg trug wesentlich zum heldenhaften Ruf Richards in Europa bei. Der Sieg stieg dem König zu Kopf. Er forderte Saladin, den Herrscher Jerusalems, auf die Heilige Stadt an ihn zu übergeben. Falls sich der Sultan weigern sollte, drohte er damit, als Antwort auf Saladins Massaker an den Tempelrittern in Jerusalem 1187 ebenso viele gefangene Sarazenen vor der Stadt hinrichten zu lassen. Da Saladin die Übergabe ebenso ablehnte wie die Herausgabe christlicher Gefangener und des wahren Kreuzes Christi, ließ Richard etwa 3000 Männer, Frauen und Kinder hinrichten. Diese Tat sorgte in der islamischen Welt für Richards üblen Ruf. Bis heute ist er dort als "Malic Ric", teuflischer Richard bekannt. - Schon vor der Abfahrt Richards nach Zypern erreichten Eleonore aus England beunruhigende Nachrichten. Der von Richard mit der Regierung betraute Kanzler Longchamp war dabei, seine Befugnisse zu mißbrauchen und mit Richards Bruder Johann um die Macht zu ringen. Eleonore wollte deshalb sofort nach England zurückkehren. Sie reiste zunächst nach Rom, wo sie am Ostersonntag der Inthronisation von Papst Coelestin III. teilnahm. Von diesem erreichte sie die Bestätigung von König Heinrichs illegitimen Sohn Gottfried als Erzbischof von York. Am 24. Juni erreichte sie Rouen, dessen Erzbischof sie schon zuvor mit päpstlicher Befugnis ausgestattet als Vermittler nach England entsandt hatte, um das politische Chaos zu beenden. Auch wenn schließlich Ruhe einkehrte, so war während der Auseinandersetzungen deutlich geworden, daß sich Johann schon als heimlicher König fühlte und nur darauf wartete, die Krone an sich zu reißen. Und die Ruhe hielt nicht lange an. Nachdem Gottfried mit päpstlichem Segen am 18. August 1191 in Tour zum Erzbischof von York geweiht worden war, machte er sich trotz seines Versprechens Richard gegenüber, drei Jahre nicht nach England zu gehen, nach Dover auf, wo er am 14. September landete. Der Sheriff der Burg und andere Ritter traten ihm im Auftrag des Kanzlers Longchamp entgegen und forderten ihn auf, einen erneuten Treueid auf König Richard und seinen Kanzler zu leisten. Gottfried lehnte das Ansinnen mit der Begründung ab, bereits einen Treueid auf Richard geschworen zu haben und keineswegs als Verräter an der Krone nach England zu kommen. Dann eilte er ins Benediktiner Priorat von Dover, wo er geistliches Asyl nahm. Doch am nächsten Tag wurde er von Soldaten des Kanzlers in der Kirche des Priorats während der Messe ergriffen und an Händen und Füßen durch den Schmutz der Straßen Dovers zur dortigen Burg gebracht und in eine Zelle geworfen. Die Bevölkerung war schockiert und fühlte sich im Umgang mit dem Erzbischof an Thomas Becket erinnert. Gottfried wurde für sie zum Held der Stunde. Der Bischof von Lincoln exkommunizierte den Sheriff der Burg und alle, die Hand an Gottfried gelegt hatten. Der Kanzler beteuerte, nie Gottfrieds Gefangennahme angeordnet zu haben, und eilte sich, den Erzbischof freizulassen. In einem Triumphzug wurde Gottfried nach London geleitet, während der Kanzler sich in der Burg von Windsor verkroch. Wieder nutzte Johann die Gunst der Stunde, um sich zum Retter aufzuspielen. Er scharte die Gegner des Kanzlers um sich und forderte dessen Absetzung. An der Spitze eines Heeres ritt er nach London und besetzte die Stadt. Longchamp floh außer Landes, seine Besitztümer wurden konfisziert und der von Eleonore nach England entsandte Erzbischof von Rouen wurde als päpstlicher Legat zum Haupt des Regierungsrates eingesetzt. Da noch immer die Chance bestand, daß Richard aus dem Kreuzzug heimkehren würde, trauten sich die englischen Barone natürlich nicht Johann sofort als Regenten anzunehmen. Sie suchten jedoch freundschaftliche Beziehungen zu ihm, falls er irgendwann doch König sein sollte. - Richard eroberte unterdessen Jaffa und rückte gegen Jerusalem vor. Doch Fieber und Seuchen hinderten ihn vor Einbruch des Winters die Stadt zu belagern. Philipp II. von Frankreich war wieder heimgekehrt, ihm war die Lust am Kreuzzug vergangen. Kaum wieder in Frankreich begann er gegen Richard zu intrigieren. Philipp II. versprach Eleonores jüngstem Sohn Johann alle kontinentalen Besitzungen Richards, wenn er bereit wäre, seine Schwester Alice zu heiraten und ihm die Festung Gisors zu überlassen. Auch wenn Johann schon verheiratet war, hinderte es ihn doch nicht daran, zum Jahresbeginn 1192 ein Söldnerheer auszurüsten, mit dem er in die Normandie einfallen wollte. Als Eleonore in Rouen von dem drohenden Verrat Johanns erfuhr, reiste sie sofort nach England und schaffte es gerade noch am 11. Februar Johann daran zu hindern, von Southampton aus in See zu stechen. Sofort begann sie mit ihrer gewohnten Energie Johann von seinen verräterischen Plänen abzubringen. Auch erinnerte sie die englischen Lords eindringlich an ihren Treueid gegenüber Richard. Auf den Sitzungen des großen Regierungsrates proklamierte sie ihre Loyalität zu Richard. Johann drohte sie mit Unterstützung des päpstlichen Legaten all seine Güter und Festungen einzuziehen und zu besetzen, wenn er Richtung Normandie aufbrechen sollte. So schaffte es Eleonore einigermaßen, in England für Ruhe zu sorgen. Dennoch sandte sie Nachricht an Richard, um ihm vom verräterischen Treiben Philipps II. zu berichten. Da die Christen zerstritten und viele Verbündete Richards schon nicht mehr im Heiligen Land waren, dachte auch er daran seinen Traum von der Eroberung Jerusalems aufzugeben. Hinzu kamen noch die beunruhigenden Nachrichten seiner Mutter. Nach Friedensverhandlungen mit Saladin, die den Kreuzfahrern einen Küstenstreifen mit Jaffa und Akko sicherten und den Christen erlaubten, unbehelligt die heiligen Stätten zu besuchen, machte sich Richard am 9. Oktober 1192 von Akko auf die Heimreise. Vor der Abfahrt kündigte er Eleonore seine Heimkehr an und diese erwartete ihn um Weihnachten zurück in der Normandie. Doch danach verebbten die Nachrichten über seinen Verbleib. Wenigstens erreichten Richards Frau und Eleonores Tochter Johanna zur Weihnachtszeit sicher Rom. Dann endlich erhielt Eleonore im Januar 1193 die Kopie eines Briefes vom deutschen Kaiser Heinrich VI. an Philipp II. von Frankreich, worin der Kaiser demselben berichtet, daß Richard von seinem Cousin Herzog Leopold von Österreich in Dürmstein an der Donau gefangengehalten werde. Leopold war einstens Bundesgenosse Richards im Heiligen Land, wurde aber von diesem nach dem Fall von Akko dermaßen gedemütigt, daß er seine Truppen vom Kreuzzug abberief und Richard Rache schwor. Richard erlitt auf der Rückreise aufgrund stürmischen Wetters Schiffbruch in Istrien und beschloß über Land zu reisen. Zunächst wurde er freundlich in Ungarn aufgenommen. Von dort überquerte er die Grenze nach Österreich, wo er zu seiner Sicherheit inkognito als Kaufmann reiste. Doch ein Vertrauter Herzog Leopolds erkannte ihn und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Kaiser Heinrich mochte Richard nicht, unterstützte doch dessen Vater seinen größten Rivalen, Herzog Heinrich den Löwen, Herzog von Sachsen, weshalb er nichts gegen die Gefangenschaft des englischen Königs einzuwenden hatte. Auch Philipp II. von Frankreich war froh, denn ein gefangener Richard machte deutlich weniger Ärger. Beide hielten es nicht für nötig die englische Regierung zu unterrichten. Doch hatte der Erzbischof von Rouen fähige Spitzel in Frankreich, die ihm die genannte Kopie überbrachten. Eleonore war voller Furcht und ihr erster Gedanke war, selbst nach Österreich zu gehen und die Freilassung ihres Sohnes einzufordern. Doch konnte sie angesichts der innenpolitischen Lage England nicht verlassen. Wenigstens konnte Eleonore den Papst von der Gefangenschaft unterrichten. Als dieser hörte, daß Leopold von Österreich den Kreuzfahrer König gefangen nahm, exkommunizierte er Leopold. Zugleich belegte er Philipp II. von Frankreich mit dem Interdikt, falls er den Gottesschwur brechen sollte, der es untersagte Ländereien eines auf dem Kreuzzug befindlichen Lehnsherrn, Fürsten oder Monarchen zu besetzen. Diese Androhung hinderte Philipp II. jedoch nicht daran aufs neue mit Richards Bruder Johann zu intrigieren, der nach Paris reiste, um dort für alle kontinentalen Besitzungen Richards dem französischen König den Lehnseid zu leisten. Beide versprachen einander, alles daran zu setzen, um Richard gefangen zu halten. Eleonore suchte unterdessen, England für ihren Sohn Richard zu bewahren und ließ aufs Neue Lords und Klerus einen Treueid auf Richard schwören. Im Februar 1192 kam Bewegung in die Sache. Leopold von Österreich übergab seinen prominenten Gefangenen an Kaiser Heinrich, nachdem dieser ihm einen Teil des Lösegelds versprochen hatte, das für die Freilassung Richards gefordert werden würde. So kam Richard über Regensburg und Würzburg nach Speyer und dann auf die Burg Trifels bei Annweiler. Eleonore wurde von Hubert Walter, dem Bischof von Salisbury davon informiert, daß ihr Lieblingssohn inzwischen Gefangener des deutschen Kaisers war. Bischof Walter bereitete sie auch darauf vor, daß eine große Lösegeldsumme für Richards Freilassung gefordert werden würde. Eleonore vertraute Bischof Walter, hatte er doch Richard in Speyer getroffen und war ihm während seiner Gefangenschaft in Deutschland so gut er vermochte zu Diensten. Eleonore kämpfte für Richard so gut sie konnte. Drei außergewöhnliche Briefe sind uns erhalten, in denen sie z.B. Papst Coelestin III. an seine Beistandsversprechen erinnerte, schließlich sei vom deutschen Kaiser und vom französischen König der Gottesschwur gebrochen worden, indem die beiden einen Kreuzfahrer gefangen hielten und dessen Länder bedrohten. Coelestin antwortete ihr nicht. Er war inzwischen 87 Jahre alt und gesundheitlich schwer angeschlagen; zudem konnte er es sich nicht leisten, den Kaiser zu verärgern, da dieser eh schon dabei war nach Gebieten des Kirchenstaats seine Finger auszustrecken. Auf den Papst konnte Eleonore also nicht zählen. Die Lage verschlechterte sich, als in der Fastenzeit 1193 König Philipp II. in die Normandie einmarschierte und Prinz Johann an der Spitze eines Söldnerheeres in England landete, um sich die Krone zu nehmen. Eleonore und der Regierungsrat widersetzten sich und rüsteten zum Kampf. Auf Anraten von Bischof Walter, der gerade mit Neuigkeiten von Richard nach England zurückkehrte, stimmten sie jedoch zu, mit Johann einen Vergleich zu suchen. Hubert Walter mahnte Eleonore und ihre Anhänger zum moderaten Handeln, denn falls Richard nicht mehr zurückkehren und Johann doch König werden sollte, würde dieser gewiß grausame Rache an seinen Widersachern nehmen. Außerdem würde Eleonore zur Auslösung von Richard auch die Abgaben von Johanns Lehnsmännern und Untergebenen brauchen. Am 19. April 1193 schrieb Richard selbst an an seine "teuerste Mutter" Eleonore, um ihr und dem Regierungsrat dafür zu danken, daß sie das Königreich so gut verwalteten und versuchten den inneren Frieden zu wahren. Auch unterrichtete er sie davon, daß er kürzlich mit dem Kaiser ein Abkommen geschlossen habe, wonach er für 100.000 Silbermark freikommen werde. Die Einzelhaft wurde bereits aufgehoben und Richard war nun Gast am kaiserlichen Hof zu Hagenau im Elsaß. Es war Richard sogar erlaubt, in Speyer oder Worms Hof zu halten und Besucher aus England zu empfangen und über Mittelsmänner Regierungsaufgaben wahrzunehmen. Er ging oft auf die Jagd, freundete sich mit deutschen Fürsten an und genoß das angenehme Leben als Gast des kaiserlichen Hofes. Eleonore war unterdessen dabei, die Lösegeldsumme aufzutreiben, und das in einem Land, welches von der Finanzierung des Kreuzzuges von Richard finanziell ausgeblutet war. Sie belegte alle Untertanen Richards mit harten Abgaben. Jeder Freie mußte ein Viertel seines Jahreseinkommen abliefern, die Geistlichen ein Zehntel ihrer Pfründeerträge und die ärmeren Einwohner soviel sie eben konnten. Keiner wurde übersehen, ob arm oder reich. Die Kirchen, Klöster und Kathedralen wurden um zahlreiche Kunstschätze und liturgische Geräte erleichtert. Orden, die keine Schätze besaßen, wie die Zisterzienser, zahlten die Gewinne eines Jahreserlöses ihrer Schafwolle. Die eingehenden Gelder wurden in der Krypta der St. Pauls Kathedrale in London sicher verwahrt und von einer hochrangigen Kommißion überwacht und verwaltet. Sodann wurden auch von Richards kontinentalen Besitzungen Abgaben erhoben, so daß von Tag zu Tag die Freilassung Richards näherrückte. Johann bekam es mit der Angst zu tun und flüchtete nach Paris zu seinem Bundesgenossen Philipp II.. Von diesem erhoffte er sich Unterstützung bei seinem Vorhaben sich Richards Länder auf dem Kontinent zu sichern. Dafür war er bereit Philipp einen Teil der Normandie abzutreten. Eleonore überzeugte daraufhin den Regierungsrat alle englischen Güter Johanns zu konfiszieren. Die Magnaten der Normandie widersetzten sich Johanns verräterischen Ansinnen und der Papst handelte endlich einmal zugunsten Eleonores und exkommunizierte Johann mitsamt dem französischen König. Im Oktober 1193 kamen Abgesandte des Kaisers nach London, um zu sehen, ob die Lösegeldeintreibung vorangeht. Sie konnten mit zwei Drittel der geforderten Summe nach Deutschland zurückkehren. Den Rest des Geldes sollte Eleonore selbst zusammen mit geforderten Geiseln nach Speyer bringen. Wenn die Geiseln und der Rest des Geldes eingetroffen seien, hat der Kaiser Richards Freilassung auf den 17. Januar 1194 festgesetzt. Eleonore rüstete im Dezember 1193 eine Flotte aus, mit der sie von Dunwich, Ipswich und Orford aus gen Deutschland segeln wollte. Die Überfahrt verlief trotz des harten Winters sehr ruhig und angenehm. Am 6. Januar erreichte Eleonore Köln, wo sie vom Erzbischof empfangen wurde und an den Feierlichkeiten zum Dreikönigsfest teilnahm. Am 17. Januar 1194, dem festgesetzten Tag der Freilassung Richards kam sie schließlich nach Speyer. Dort mußte sie allerdings erfahren, daß die Freilassung aufgeschoben worden sei, da König Philipp II. von Frankreich dem Kaiser eine wesentlich höhere Summe zahlen wollte, wenn er Richard ihm ausliefern würde oder wenigstens bis Pfingsten gefangen hielte. Bis dahin rechnete sich Philipp II. aus, Richards Länder auf dem Kontinent überrannt zu haben. Am 2. Februar kam Eleonore nach Mainz, um mit dem Kaiser zusammenzutreffen und endlich ihren Sohn wiederzusehen. Zusammen mit dem Mainzer Erzbischof wandte sie sich an den Kaiser, doch sein Wort zu halten. Richards Freundschaft zu zahlreichen deutschen Fürsten zahlte sich nun aus. Denn auch sie forderten den Kaiser vehement dazu auf, sein gegebenes Versprechen zu halten und Richard freizulassen. Der Kaiser gab nach, ließ Richard aber den Treueid schwören. Somit erkannte er Heinrich VI. als seinen obersten Lehnsherren an. Dies war für Richard eine Erniedrigung, doch die Freiheit war es wert, zumal der Kaiser in der Zukunft ein wichtiger Bundesgenosse gegen Philipp II. werden sollte. Am 4. Februar 1194 wurde Richard an Eleonore übergeben. Die Heimreise der beiden wurde zu einem wahren Triumphzug. In zahlreichen Städten wurden ihnen glänzende Empfänge bereitet, so in Köln, Löwen, Brüssel und Antwerpen. Die Überfahrt nach England wurde zum Abenteuer, da überall französische Schiffe lauerten, um Richard doch noch zu erwischen. Am 12. März 1194 setzte Richard schließlich in Sandwich nach fast fünf Jahren wieder seinen Fuß auf englischen Boden. Gleich nach der Ankunft ritt er mit seiner Mutter Eleonore nach Canterbury, um am Schrein des Heiligen Thomas Becket für die sichere Heimkehr zu danken. Am 23. März zogen Richard und Eleonore dann feierlich in London ein. Nachdem beide dann wenige Tage später noch zum Schrein des Heiligen Edmund nach Bury St. Edmund gepilgert waren, begann Richard die letzten Parteigänger Johanns zu unterwerfen. Als Richards Macht in England gefestigt war, sammelte er eine Armee um sich, um seine Besitzungen auf dem Kontinent zu sichern. Am 23. April 1194 legten Richard und Eleonore von Portsmouth aus Richtung Normandie ab. Beide sollten nie wieder ihren Fuß auf englischen Boden setzen. - Eleonore wollte ihre Söhne miteinander versöhnen und überredete Johann, seinen Bruder für sein verräterisches Tun um Verzeihung zu bitten Er sollte auf Richards Gnade vertrauen und sich von Philipp II. und allen anderen schlechten Ratgebern lossagen. In Lisieux erschien Johann und bat seine Mutter für ihn bei Richard vorzusprechen, damit er ihn empfange. Johann warf sich seinem Bruder zu Füßen und flehte ihn um Verzeihung an. Richard akzeptierte und in den nächsten fünf Jahren verhielt sich Johann ruhig und loyal gegenüber seinem Bruder. Richard hatte nun die Freiheit, sich Philipp II. zuzuwenden. Eleonore zog sich nach den vergangenen turbulenten Monaten in ihr geliebtes Fontevraud zurück. Dort lebte sie in ihren eigenen Appartements als Gast der ehrwürdigen Schwestern. Sie wurde aber keine Nonne und hatte immer ein waches Auge auf ihre und Richards Länder. Mit dessen Einverständnis benannte Eleonore 1196 ihren Enkel Otto von Sachsen als ihren Erben in Aquitanien und Poitou, da sie weder Johann noch ihren Enkel Arthur als Nachfolger in ihren Landen sehen wollte. Doch ein Jahr später starb Kaiser Heinrich VI.. Kurz vor seinem Tod entband er Richard noch von seinem Treueid. Mit Unterstützung Richards wurde sein Neffe Otto von Sachsen Nachfolger als deutscher König. Als solcher gab Otto nun sein Recht Eleonore in Aquitanien und Poitou zu beerben an seine Großmutter zurück. Zur selben Zeit 1197/98 verlor Eleonore ihre beiden Töchter Alix und Marie aus ihrer ersten Ehe mit Ludwig VII. von Frankreich. Dieses Kummers nicht genug, mußte sie noch erleben, daß Richard den Bischof von Beauvais gefangen hielt. Der neugewählte Papst Innozenz III. entsandte päpstliche Legaten, um Richard klar zu machen, daß es gegen das Kirchenrecht verstoße, Bischöfe zu inhaftieren. Richard reagierte verärgert und beschimpfte die Legaten und jagte sie schließlich davon. Eleonore erkannte die drohende Gefahr einer Exkommunikation ihres Sohnes und verhalf dem Bischof zur Flucht. Richard mag zuerst getobt, aber dann doch die Weisheit seiner Mutter verstanden haben. Im April 1199 kam dann Eleonores Abschied von ihrem Lieblingssohn. Richard wurde bei der Belagerung einer Burg bei Châlus am 26. März von einem Pfeil getroffen. Die Wunde verursachte eine Blutvergiftung und Richards Gesundheit schwand zusehends. Er ließ noch seine Mutter aus Fontevraud kommen, um sich von ihr zu verabschieden. Sie saß an Richards Bett, als er am Abend des 6. April verstarb. Sie mag ihn noch davon überzeugt haben, sein Testament zu ändern und an Stelle von seinem Neffen Arthur von Bretagne Johann als seinen Erben einzusetzen. Eleonore konnte ihren bretonischen Enkel nicht leiden, aber noch weniger dessen Mutter. Sie wußte, hinter Arthurs Mutter stand wiederum Philipp II. von Frankreich und der würde in Kürze das angevinische Reich ins Verderben stürzen. Deshalb warnte Eleonore ihren Sohn Johann, der gerade bei Arthur weilte, daß er schnell fliehen sollte, um nicht in Frankreichs Hände zu fallen. Am 11. April 1199, am Palmsonntag, wurde Richard in der Abtei von Fontevraud neben seinem Vater beigesetzt. Sein Herz wurde nach Rouen gebracht und sein Gehirn nach Charroux in Poitou. Eleonore wußte darum, daß ihr Sohn nicht wenige Sünden mit vor Gottes Angesicht genommen hatte, so stiftete sie zu dessen Seelenheil in Fontevraud die St. Laurentius Kapelle mit entsprechenden Meßstiftungen. Auch bedachte sie zahlreiche Bedienstete von Richard mit großzügigen Geschenken zum Angedenken an ihren Sohn. Nach diesem wohl schwersten Schicksalsschlag in ihrem bisherigen Leben, mußte Eleonore noch einmal ihren Ruhestand gegen das öffentliche Leben tauschen, um jetzt ihrem jüngsten Sohn Johann die Krone zu sichern. So wie sie einst für Richard gekämpft hatte, so kämpfte sie jetzt für Johann. Voll Genugtuung durfte sie es erleben, daß Johann am 25. Mai 1199 in Westminster zum König von England gekrönt wurde. Johann war seiner Mutter mehr als dankbar für die Mithilfe bei der Sicherung seiner Rechte als Nachfolger Richards. Doch schon im September ereilte die alte Königin ein weiterer Schicksalsschlag. Ihre geliebte Tochter Johanna starb im Kindbett mitsamt dem Knaben, den sie zur Welt brachte. Wieder mußte Eleonore ein Kind betrauern. Eleonore ließ beide in Fontevraud in der Nähe von Heinrich II. und Richard I. bestatten. Die letzte große politische Aktivität, welche von Eleonore berichtet wird, ist ihre Reise nach Kastilien, wo sie ihre Enkelin Blanche in Empfang nehmen sollte. Blanche sollte Ludwig, den Sohn Philipps II. heiraten. Diese Ehe fädelte Johann ein, um den Frieden mit Philipp II. abzusichern. Nachdem Eleonore ihre Enkelin im April 1200 in Bordeaux an den dortigen Erzbischof übergeben hatte, kehrte sie nach Fontevraud zurück. Sie spürte ihr für die damalige Zeit außerordentliches Alter und sehnte sich nach der klösterlichen Ruhe. Im Jahr 1202 verließ Eleonore noch einmal die Abtei, um im Krieg zwischen Johann und Philipp II. ihrem Sohn zu helfen. Sie plante mit einer kleinen militärischen Truppe nach Poitiers zu reisen, um dessen Besitznahme durch ihren Enkel Arthur zu verhindern, der sich mit Philipp II. zusammengetan hatte, um Johann in den Rücken zu fallen. In Mirebau, einer alten Festung in Anjou wurde Eleonore von den Truppen Arthurs überrascht. Dieser hatte Wind von Eleonores Aktion bekommen. Eleonore wußte, welche Bedeutung sie als Geisel für Arthur und Philipp II. hätte und verteidigte die Festung mit allen Mitteln. Sie schaffte es, zwei Boten zu Johann zu schicken, der heraneilte um seine Mutter zu befreien. Bei der Befreiungsaktion fiel dann auch noch Arthur in Johanns Hände, was einen politischen Sieg bedeutete. Jetzt hatte Johann seinen Rivalen in der Hand und Philipp II. verlor seine wichtigste Spielfigur im Kampf gegen Johann. Nach diesen Ereignissen fühlte sich die achtzigjährige Eleonore schließlich reif für das Klosterleben. Nach der Rückkehr nach Fontevraud wurde sie Nonne und blieb bis zu ihrem Tod dort. Am 1. April starb die "Großmutter" Europas im Alter von 82 Jahren. Sie starb unbemerkt von dem sie umgebenden politischen Chaos, welches das Ende des angevinischen Reiches brachte, in klösterlicher Stille. Ihr unruhiger Geist hatte doch noch seinen Frieden gefunden. Begraben wurde Eleonore zwischen ihrem Mann Heinrich II. und ihrem Sohn Richard I.. Bis heute gehört ihr Grabmal zu den ausdrucksstärksten und feinsten, die uns aus dem Mittelalter erhalten sind. - Werner Stangl faßt das Leben der Eleonore von Aquitanien treffend zusammen, und diese Zusammenfassung soll die Biographie Eleonores abrunden: "Über 82 Jahre erstreckte sich das Leben dieser Frau, die mehr als jede vor ihr dem Frauenbild ihrer Zeit widersprach. Als Verkörperung des höfischen Frauenideals war Eleonore genauso Inspiration wie Feindbild ihrer Zeitgenossen Schon als sie in Antiochia ihrem ersten Mann die Stirn bot, zeigte sich ihr ungemein starkes und eigenständiges Wesen. Sie war aus eigenem Selbstbewußtsein Herrin und nicht nur brave Ehefrau, im politischen Leben fühlte sie sich genauso heimisch wie jeder Herrscher ihrer Zeit. Auch ihre ausgedehnten Reisen, die sie von Kastilien bis Byzanz, von Speyer bis Sizilien und Antiochia führten, geben ein beredtes Bild von Eleonores aktivem Charakter. Sie überstand ungebrochen die vielen Schicksalsschläge, die sie während ihres Lebens zu erleiden hatte. In vielen Bereichen wurde Eleonore nach ihren Jahren in Gefangenschaft in hohem Alter sogar zu einer wichtigeren Figur, als sie es davor war. Auch wenn die Chronisten Eleonore nur als Nebenerscheinung wahrnahmen: Von einem mentalitätsgeschichtlichen Standpunkt aus betrachtet ist Eleonore als Förderin der höfischen Kunst und Versinnbildlichung der romantischen Liebe eine der wichtigsten und interessantesten Persönlichkeiten des gesamten Mittelalters." (aus Werner Stangls Arbeit zum Proseminar "Einführung in die mittelalterliche Geschichte" im SS 2000 bei Dr. Susanne Petschko, Karl Franzens Universität Graz)
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Wie der gesamte aquitanische Hof war auch Eleonore von Aquitanien eine große Förderin der höfischen Dicht- und Liedkunst ihrer Zeit. Nicht zu Unrecht wird sie auch "Königin der Troubadoure" genannt. Man sagt Eleonore eine leidenschaftliche Affaire mit dem Troubadour Marcabru nach, den Eleonores Ehemann deshalb vom Pariser Hof verbannt hat. Um 1153 kommen Gerüchte über eine Beziehung Eleonores zum Troubadour Bernart de Ventadorn auf. Beweisen lassen sie sich nicht. Eleonore verstand es, Männer in ihren Bann zu ziehen. Es folgt hier eine Auswahl von Werkausgaben bedeutender Troubadoure (alphabetisch geordnet), die auch an Eleonores Hof zu finden waren, sowie eine Auswahl an Sekundärliteratur zur höfischen Dicht- und Gesangskunst und zum sogenannten "Court of Love", der höfischen Liebe.
Werkausgaben verschiedener Troubadoure: Arnaut Daniel: Canzoni. Edizione critica, studio introduttivo, commento e traduzione, hrsg. v. Toja Gianluigi, Florenz 1960; - Arnaut Daniel: The Poetry of Arnaut Daniel, hrsg. v. J. Wilhelm, New York 1981 (in englischer Übersetzung); - Arnaut Daniel: il sirventese e le canzoni, hrsg. v. M. Eusebi, Mailand 1984 (in italienischer Übersetzung); - Bernard de Ventadorn: Bernard von Ventadorn, seine Lieder, hrsg. v. Carl Appel, Halle 1915; - Bernard de Ventadorn: Chansons d'amour, hrsg. v. Moshé Lazar, Paris 1966; - Bernart de Venzac: Lirica Moralistica nell' Occitania del XII secolo: Bernart de Venzac, hrsg. v. Maria Picchio Simonelli, Modena 1974; - Betran de Born: Poésies complètes de Bertran de Born, hrsg. v. A. Thomas, Toulouse 1888; - Bertran de Born: L'Amour et la guerre. L'oeuvre de Bertran de Born, hrsg. v. Gérard Gouiran, Aix-Marseille 1985; - Bertran de Born: The Poems of the Troubadour Bertran de Born, hrsg. v. William D. Paden, Tilde Sankovitch u. Patricia H. Stablein, Berkeley (University of California) 1986; - Giraut de Borneil: The Cansos and Sirventes of the Troubadour Giraut de Borneil: A Critical Edition, hrsg. v. Ruth Verity Sharman, Cambridge 1989; - Girart de Roussillon: La Chanson de Girart de Roussillon, hrsg. v. M. de Combarieu du Grès u. G. Gouiran, Paris 1993; - Guilhem de Montanhagol: Les Poésies de Guilhem de Montanhagol, hrsg. v. Peter T. Ricketts, Toronto 1964; - Guillem de Poitou: his eleven extant poems, ins Englische übersetzt und hrsg.v. Paul Blackburn, Mount Horeb (Wisconsin) 1976; - Guilhem IX: Guglielmo IX d'Aquitania: poesie, hrsg. v. Nicolò Pasero, Modena 1973; - Guilhem IX.: Seven songs of Guilhem IX, first of the known troubadours, ins Englische übersetzt und hrsg.v. John Niles, Tuscon (Arizona) 1978; - Guillem de Berguedà: Guillem de Berguedà. Edición crítica, traducción y glosario, 2 Bde., hrsg. v. Martin de Riquer, Abadía de Poblet 1971; - Guiraut Riquier: Las Cansos, hrsg. v. Ulrich Mölk, Heidelberg 1962; - Jaufré Rudel: The Songs of Jaufre Rudel, hrsg.v. R. Pickens, Toronto, 1978; -Jaufré Rudel: The Poetry of Cercamon and Jaufre Rudel, hrsg. v. R. Rosenstein u. G. Wolf, New York 1983; - Jaufre Rudel: Il canzoniere di Jaufre Rudel, hrsg. v. Giorgio Chiarnini, Rom 1985; - Marcabru: Marcabru. A Critical Edition, hrsg. v. Simon Gaunt, Ruth Harvey u. Linda M. Paterson, Cambridge 2000; - Peire d'Alvernhe: Peire d'Alvernha: liriche, hrsg. v. Alberto del Monte, Turin 1955; - Peire Cardenal: Poésies complètes du troubadour Peire Cardenal, hrsg. v. René Lavaud, Toulouse 1957; - Peire Vidal: Les Poésies de Peire Vidal, hrsg. v. Joseph Anglade, Paris 1913; - Peire Vidal: Peire Vidal: poesie, hrsg. v. Silvio Avalle D´Arco, 2 Bde., Mailand u. Neapel 1960; - Raimaut d'Aurenga: The Life and Works of the Troubadour Raimbaut d'Orange, hrsg. v. Walter T. Pattison, Minneapolis 1952; - Raimbaut de Vaqueiras: The Poems of the Troubadour Raimbaut de Vaqueiras, hrsg. v. Joseph Linskill, Den Haag 1964; - Sordello: The Poetry of Sordello, hrsg. v. James J. Wilhelm, New York 1987; - Uc de Saint Circ: Poésies de Uc de Saint-Circ, hrsg. v. Alfred Jeanroy u. J.-J. Salverda de Grave, Toulouse 1913.
Sekundärliteratur: Max Sachse, Über das Leben des Troubadours Wilhelm IX., Herzog von Aquitanien, Leipzig 1882; - A. Jeanroy, La Poésie lyrique des troubadours, 2 Bde., Toulouse 1934; - J. Chailley, Les premiers troubadours et les versus de l'école d'Aquitaine, in: Romania 76 (1955), 212-239; - R. Bezzola, Les Origines et la formation de la littérature courtoise en Occident, Paris 1960; - Henri Davenson, Les Troubadours, Paris 1961; 21975; - Erich Köhler, Troubadour Lyrik und Höfischer Roman, Berlin 1962; - Ders., Observations historiques et sociologiques sur la poésie des troubadours, in: Cahiers de Civilisation Médiévale 7 (1964), 27-57; - Ders., Les troubadours et la jalousie, Genf 1970; - Dorothy R. Sutherland, L'élément théâtral dans la canso chez les troubadours de l'époque classique', in: Revue de Langue et de Littérature d'Oc 12-13 (1962-63), 95-101; - R. Nelli, L'Érotique des troubadours, Toulouse 1963; - M. 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Ronny Baier
Literaturergänzung:
2009
Regina-Bianca Kubitscheck, Peter Steckhan, Englands Königinnen im Mittelalter. Göttingen 2009; - Michael R. Evans, Penthesilea on the Second Crusade. Is Eleanor of Aquitane the Amazon queen of Niketas Choniates?, in: Crus 8.2009, S. 23-30.