|
Verlag Traugott Bautz
|
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
BENEDIKT XIII., Gegenpapst, * um 1342 als Pedro de Luna, aus altem aragonischem Adelsgeschlecht, † 23.5. 1423 auf der Bergfeste Peñiscola bei Valencia. - L. studierte in Frankreich und wurde Lehrer des kanonischen Rechts an der Universität Montpellier. Gregor XI. ernannte ihn 1375 zum Kardinaldiakon von Santa Maria in Cosmedin. Im Schisma zwischen Urban VI. und Clemens VII. bemühte er sich im Auftrag des letzteren um dessen Anerkennung in Spanien und Portugal. Auch England versuchte er für Clemens VII. zu gewinnen. Die Pariser Universität machte 1394 Karl VI. drei Vorschläge zur Beilegung der Kirchenspaltung: 1. Rücktritt beider Päpste (via cessionis), 2. Bildung eines Schiedsgerichts (via compromissi) und 3. Einberufung eines allgemeinen Konzils (via synodi). Clemens VII. sandte L. an den französischen Hof, damit er verhindere, daß der König sich für die via cessionis entscheide. Am 28.9. 1394 wurde er in Avignon einstimmig zum Nachfolger des am 16.9. 1394 verstorbenen Clemens VII. gewählt und als B. XIII. am 11.10. geweiht, weil er sich bereit erklärt hatte, im Interesse des Kirchenfriedens zurücktreten zu wollen, wenn die Mehrheit der Kardinäle es wünsche. Als aber eine Gesandtschaft im Namen des Königs und der Nationalsynode und die Abgeordneten der Pariser Universität 1395 von ihm den Rücktritt verlangten, lehnte B. XIII. ab in der Überzeugung, der rechtmäßige Papst zu sein, und schlug die via discussionis vor, eine persönliche Zusammenkunft der beiden Päpste. Auch Bonifatius IX. war nicht bereit, auf die päpstliche Würde zu verzichten. Die Gesandten der Könige von Frankreich, England und Kastilien versuchten 1397 gemeinsam, aber vergeblich, B. XIII. von der Notwendigkeit seiner Abdankung zu überzeugen. Im Mai 1398 beschloß die französische Nationalsynode, B. XIII. die ihm bisher geleistete Obödienz zu entziehen. Der König stimmte im Juli diesem Beschluß zu. Alle Kardinäle bis auf drei verließen B. XIII. Nun begann der offene Kampf. Da B. XIII. seinen Palast nicht halten konnte, mußte er sich im April 1399 unterwerfen und geloben, auf seinen päpstlichen Anspruch zu verzichten, falls der Gegenpapst abdanke, sterbe oder aus Rom vertrieben werde. B. XIII. wurde in seinem Palast gefangengehalten, konnte aber im März 1403 mit Hilfe des Herzogs von Orléans entfliehen. Im Mai 1403 wurde die Obödienz wiederhergestellt, und B. XIII. mußte sein früheres Versprechen erneuern und sich bereit erklären, die Frage der Beilegung des Schismas einem allgemeinen Konzil vorzulegen. Bonifatius IX. starb am 1.10. 1404, und sein Nachfolger, Innozenz VII., dachte nicht im geringsten daran, abzudanken. B. XIII. reiste 1405 nach Genua, um mit dem römischen Papst Verhandlungen anzuknüpfen. Die Reise verlief jedoch erfolglos. Gregor XII. folgte am 30.11. 1406 Innozenz VII. und wollte im Herbst 1407 mit B. XIII. in Savona zusammentreffen. Aber er kam nicht dazu. Als Karl VI. im Mai 1408 die völlige Neutralität Frankreichs im Streit der beiden Päpste erklärte, siedelte B. XIII. nach Aragon über. Die Kardinäle der beiden Päpste beriefen für 1409 ein allgemeines Konzil nach Pisa. Die Synode setzte am 5.6. 1409 die beiden nicht erschienenen Päpste ab und exkommunizierte sie und wählte als neuen Papst Alexander V. Da aber B. XIII. und Gregor XII. nicht abdankten, hatte die Kirche nun drei Päpste. Nach wie vor fand B. XIII. in Spanien, Portugal und Schottland Obödienz. Das Konzil von Konstanz beseitigte das Schisma: Johannes XXIII., der Nachfolger Alexanders V., wurde am 29.5. 1415 gefangengenommen und abgesetzt; Gregor XII. dankte ab; B. XIII. wurde am 26.7. 1417 abgesetzt und exkommuniziert, weil man ihn zur Abdankung nicht hatte bewegen können und auch die von König Sigismund mit ihm zu Perpignan in den Pyrénées-Orientales (Südostfrankreich) geführten Verhandlungen ergebnislos verlaufen waren. B. XIII. behauptete sich auf der heimatlichen Bergfeste Peñiscola, von vier Kardinälen umgeben, bis zu seinem Tod. Ihm folgte am 10.6. 1423 Clemens VIII.
Lit.: Franz Ehrle, Aus den Akten des Afterkonzils v. Perpignan, in: ALKGM 5, 1889, 387 ff.; 7, 1900, 576 ff.; - Ders., Neue Materialien z. Gesch. Pedros v. Luna, ebd. 6, 1892, 139 ff.; 7, 1900, 1 ff.; - Ders., Die kirchenrechtl. Schrr. Pedros v. Luna, ebd. 7, 1900, 515 ff.; - N. Valois, La France et le grand schisma d'Occident, 4 Bde., Paris 1896-1902; - Martinus v. Alpartil, Chronica actitatorum temporibus Domini Benedicti XIII., z. erstenmal veröff. v. Franz Ehrle, in: QFG 12, 1906, 1 ff. 541 ff.; - G. Mollat, Les papes d'Avignon, 1912 (19509); - St. Baluze - G. Mollat, Vitae Paparum Avenionensium, 4 Bde., Paris 1916-28; - Sebastian Puig y Puig, Pedro de Luna, Barcelona 1920; - Acta Concilii Constanciensis, hrsg. v. Heinrich Finke, III, 1926, 367 ff.; - G. Romeo, La biblioteca de B. XIII., 1929; - Michael Seidlmayer, P. de L. u. die Entstehung des großen abendländ. Schismas, in: Ges. Aufss. z. Kulturgesch. Spaniens, hrsg. v. Heinrich Finke, IV, 1933, 206 ff.; - Ders., Die Anfänge des großen abendländ Schismas. Stud. z. Kirchenpolitik insbes. der span. Staaten u. zu den geist. Kämpfen der Zeit, 1940; - A. Casas, El papa Luna, Barcelona 1944; - G. Pillement, Pedro de Luna, Paris 1955; - M. Dijol, Le procès de Benoît XIII ... devant l'histoire et le droit, ebd. 1959; - Seppelt IV, 213 ff. 480 ff.; - DThC XII, 2020 ff.; - DHGE VIII, 135 ff.; - LThK II, 177; - RE II, 568 ff.; XXIII, 183; - RGG I, 1030; - EC II, 1277 ff.; - Friedrich Stegmüller, Die Consolatio des Papstes Pedro de Luna, in: Ges. Aufss. z. Kulturgesch. Span., hrsg. v. Johannes Vincke, 21, 1963, 209 ff.; - Anneliese Maier, Die »Bibliotheca minor« B.s XIII, in: Archivum historiae pontificiae III, Rom 1965, 139 ff.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1984
Josep Perarnau Espelt, B. XIII, la Compania Salvago de Génova y las minas de Almadén, in: AnAn 30./31.1983/84, S. 355-362; -
1989
Dieter Girgensohn, Ein Schisma ist nicht zu beenden ohne die Zustimmung der konkurrierenden Päpste. Die jurist. Argumentation Benedikts XIII. (Pedro de Lunas), in: AHP 27.1989, S. 197-247; -
2008
Hélène Millet, Le Concile de Perpignan (15 novembre 1408 - 26 mars 1409). Compte-rendu du colloque international, Perpignan, 24-26 janvier 2008, in: CrSt 29.2008, S. 219-229; - Ansgar Frenken, Der endgültige Bruch Kastiliens mit Benedikt XIII. u.d. Ende d. großen abendländ. Schismas. Ein Beitr. zur Lösung e. offenen Forschungsfrage, in: ZKG 119.2008, S. 327-357.
Letzte Änderung: 29.05.2009